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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Ulm : Johann Zainen Leonhard Holt.

^Zweites

ulmerEinigungsbnch", einer Art von Schuldhändclprototoll, mit demVermerk, daß er einem Diepolt Hutter 10 Gulden schulde und jedesQuartal davon 1 Gulden abzuzahlen habe. Das Jahr darauf steht ermit 70 Gulden bei zwei andern Gläubigern in der Schuld; er ver-spricht jedes Quartal 2 Gulden abzuzahlen. Und so geht es fort, bis er1493 sogar mit Konrad Dinckmuth, einem andern ulmcr Drucker, ohneZweifel dieser vielen Schulden halber, aus der Stadt verwiesen wird.Seine Abwesenheit kann aber nicht lange gedauert haben, da in denJahren 1496 und 1497 bereits wieder Drucke von ihm vorliegen.Interessant für den engeu Zuuftgcist jener Zeit ist es, daß JohannZainer im Jahre 1515 den Rektor der Lateinischen Schule zu Ulm ,Hans Grüner, wegen seines Handels mit Schulbüchern vor dem Ratverklagt. Ju der darauf bezüglichen Urkunde heißt es: Meister Hans,der lateinische Schulmeister, habe Bücher feil und verbiete seinen Knaben,sie anders als bei ihm zu kaufen. Dieö bringe ihm Nachteil; er bittetihn als Bürger zu bedenken. Der Rat vergönnt hierauf jedem, Bücherfeil zu haben, aber Hansieren soll verboten sein. Der Schulmeister sollniemand drangen, seine Bücher uud sonst keine zn kaufen, und des Büchcr-verkanfenö müßig stehen; wenn ihn aber ein Biedermann bitte, seinemSohne ein Buch zu kaufen, so möge er es Wohl thun.

Der zweite Buchdrucker Ulms ist Leonhard Holl, 1482 bis 1484,der dort vorher schon eine Spieltartcnfabrik gehabt und auf seinen Bil-dern mit beweglichen Typen gedruckte Inschriften angebracht hatte. Seinerstes Werk war die Geographie des Ptölemäus mit Landkarten, welchein Holz geschnitten waren. Das sämtliche Werkzeug zu dieser Ausgabewar er später genötigt, an den Venctianer Justus de Albano zu ver-setze», in dessen Verlag damit 1486 durch seinen Werkführer JohannReger eine neue Ausgabe gedruckt wurde. Hott aber wurde, wie Zainer und Dinckmuth, Schulden halber schou 1484 aus der Stadt verwiesen;er bat, wieder eingelassen zu werden, weil er sonst seine Gläubiger nichtbefriedigen könne, da ihm seine Habe vertragen, verstoßen, verpfändet,versetzt sei. Das Jahr 1492 bringt dann im Einigungsbuch eine neueEntscheidung, wonach Leonhard Holl außer der Stadt sein soll, bis daßer von Nürnberg aus seine Schuld bezahlt habe. Ob dies aber jemalsgeschehen, darüber fehlen, wie überhaupt von ihm, alle fernern Nach-richten.