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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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138 Nürnberg ! Johann Sensenschmid und Heinrich Kefcr. ^Zweites

und Grimm in Augsburg verlegt hatte, wären im 16. Jahrhundert nurnoch wenige unbedeutende Vertreter der Kunst dort zu nennen.

9. Nürnberg ,

die alte, reiche Stadt, noch heute der Schrein ungezählter Denkmälerder Kunst und Kultur des Mittelaltcrs, die Geburtsstadt eines AlbrechtDürer und Hans Sachs , ist von den ersten und bedeutungsvollsten Pflanzstätten der Buchdruckerkunst und des Buchhandels eine der wichtigstenund für deren Entwickelung von epochemachendem Einfluß. Einem glück-lichen Zufall ist es zu danken, daß gerade von derjenigen Persönlichkeit,die unbestritten der größte Buchdrucker und Buchhändler seiner Zeit ge-nannt werden muß, von Anton Ksbergcr, der Nachwelt sehr ausführlicheNachrichten erhalten worden sind und daß die Gestalt dieses Mauncsdas Bild des ganzen Standes in seinem Gesamtwirkcn neu beleuchtetMit voller Berücksichtigung der geschäftlichen Bedeutung Anton Kobergerswird daher weiterhin im fünften Kapitel eine ausführlichere Darstellungseines Wirkens gegeben werden, soweit es sich aus den neuesten Fundenseiner Briefe ausführen läßt. Seiner Bedeutung nach gebührt ihm dererste Rang in diesem Abschnitt, obschon der Zeit nach ihm andere seinerBerufsgenossen vorangehen.

Von einem Gehilfen Gutenbergs , dem Mainzer Heinrich Kefer oderKefser, welcher in dem Prozeß Fusts gegen Gutenberg als Zeuge mitBerthold von Hanau ausgeführt ist, wurde die Kunst nach Nürnberg überführt. Kefer begründete hier in Gemeinschaft mit dem Deutsch-Böhmen Johann Sensenschmid von Eger die erste Buchdruckerei. Dererste nürnberger Druck von 1470 entbehrt zwar der Firma der Drucker,ist aber durch die Schriftcharaktere als Erzeugnis von Sensenschmid undKefer erkannt: es ist entweder das großelüoweswrinin vitiorum" desFranciscus de Retza von 289 Blättern, oder noch wahrscheinlicher einin demselben Jahre gedruckter kleinerer Traktat des Kanzlers GersonüberL^utica cantieorum" von nur 39 Blättern. Die Genossenschaftder beiden Drucker dauerte bis zum Jahre 1473, in welchem auch daseinzige Werk herauskam, das ihre gemeinschaftliche Firma trägt; es istdies die großekanttisoloZig." des Reynerus de Pisis, ein Riesenwerkin zwei großen Foliobänden von 439 und 421 Blättern, zugleich einmusterhaft schönes Druckdenkmal, dessen zierliche und geschmackvolle Charak-