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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Die niederländischen Printer. Die Technik.

^Viertes

Pergamentmachers ^; da man aber auch Altarbehänge und ähnliches ausmit Modeln bedrucktem Pergament herstellte, so kann jene Erwähnung nochnicht als vollgültiger Beweis dafür angenommen werden, daß jener Janvon Antwerpen ein eigentlicher Bilddrncker gewesen sei. Dagegen zähltdie Lukasgilde zu Antwerpen im Jahre 1442 Drucker als Mitglieder,und in Verhandlungen, welche 1452 in Löwen zwischen den Vertreternder dortigen Holzarbeiterzünfte und dem Formschneider (xrintsn^äere)Jan van den Berghe wegen des Eintritts des letztcrn in die Schrciner-zunft stattfanden/ ergibt sich aus den Reden beider Parteien, daß seineBeschäftigung das Schneiden von xrintsn vn.n lotteren snäsblZöläon - Schrift- und Bildformen gewesen ist. Er weigert sich,in das Handwerk einzutreten, weil seine Arbeit osn sunclorlingnoe<)Q8teine eigene Kunst sei, während die Handwerker sich daraufberufen, daß er ja doch Holz mit Hobel und andern: Handwerkszeug be-arbeite.^ In Nürnberg wird 1428 ein Formschneider H. Pömcr, 1441ein Kartcnmaler Michel Winterpeck und 1445 ein Kartenmaler HansPaur erwähnt; der letztere Name findet sich auf Reiberdrucken in derBibliothek zu Stuttgart und in der Kupferstichsammmlung zu München ,sodaß er auch Formschneider gewesen zu sein scheint.

Den Ruhm, in dem heiligen Christoph mit der Jahreszahl 1423den ältesten datierten Holzschnitt zu besitzen, behauptet noch immer dieSpencersche Bibliothek in Althorp Park (Northampton ), obwohl in neuererZeit Konkurrenten aufgetaucht sind. Das Blatt wurde 1769 von demKnnstforfcher K. H. von Heinecken entdeckt, eingeklebt in den Einbandeines Um 1417 geschriebenen Buchs,I.k>n8 virZinis", in dem KlosterBurheim bei Memmingen .

Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß die jetzige Technik desHolzschnitts erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aufgekommen ist.Bis dahin bediente man sich einer parallel dem Fasernlaufe zugeschnittenenPlatte von hartem, namentlich Birnbaumholz, als Material, und alsWerkzeug eines Messers mit starker, kurzer, zugespitzter Klinge, mit wel-chem der Künstler, die Hand in der Richtung gegen den eigenen Körperbewegend, die Fasern durchschneiden konnte; während die von ThomasBewick (1753 bis 1828) eingeführte Verwendung des senkrecht auf dieFaser geschnittenen Hirnholzes das Eingraben oder Herausmcißcln ver-mittelst eines Stichels mit sich gebracht hat.