Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
243
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Kapitel.) Die Briefmalcr und ihre Erzeugnisse. Blockbüchcr, 243

Heiligenbilder waren, wie schon die noch vorhandenen frühen Blätterbeweisen, die Hauptaufgabe für den Bildschncidcr. Sie zeigen gewöhn-lich noch ziemlich dicke Umrisse und keine Schraffierung, und da sie be-stimmt waren, mit Wasserfarben ausgemalt zu werden, mangeln oftDetails im Schnitt, welche eben durch die Farbe angegeben werdensollten: der Formschneider und der Briefmalcr waren Wohl meistenseine Person. Bald sprach das Bild so deutlich, daß es keiner Erklä-rung bedürfte, bald wurden die Namen der dargestellten Personen oderSprüche u. a. m. ebenfalls in den Holzstock geschnitten. Es finden sichaber auch schon aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zusammeu-gehörige Reihen von Blättern, auf welchen die Hauptmomente einer bibli-schen Erzählung, der Offenbarung Johannis, die Zehn Gebote oderanderes mehr dargestellt waren: Bücher für die ungelernte Leut,wie es auf den Zehn Geboten in der Bibliothek zu Heidelberg heißt,Armenbibeln, d. h. Bibeln für die (des Lesens Unkundigen ) Armenim Geiste, oder Blockbücher, wie der in der Kunstgeschichte gebräuch-liche Gattungsname lautet.

Diese in Bildern sprechende Volkslitteratur entwickelte sich ausschließ-lich im Norden Europas und vorzugsweise unter den germanischen Völ-kern, Deutschen und Niederländern; sie befriedigte zugleich deren leben-digem und tiefer wurzelnden religiösen Sinn und die Bilderlust, welchersich im Norden nicht, wie in Italien , große, allgemein zugängliche undallgemein verständliche malerische Schöpfungen an den Wänden von Kircheund Campo santo darboten; sie wurde von Einzelnen, wie von derschon wiederholt erwähnten religiösen Genossenschaft derBrüder vomgemeinsamen Leben" in Holland als Mittel der Belehrung in großemUmfange angewandt und erwies sich später als mächtige Waffe in derhumanistischen und reformatorischen Bewegung.^ Und mit ihr wuchsund gedieh der Holzschnitt, sodaß die junge Buchdruckerkunst an ihm einenbereits kräftig auf eigenen Füßen stehenden Gehilfen vorfand. Denkunstreichen Schreibern entlehnte sie die großen verzierten Anfangsbuch-staben, den Rotdruck einzelner Buchstaben, Wörter und Zeilen, auch Rand-verzierungen u. dgl.; das Figurenbild des Formschneiders konnte sie über-nehmen, wie es war: es ließ sich in dieselbe Form spannen mit demLetternsatz, es gewann aber selbst dabei durch den Pressendruck an Stelledes primitiven Reibverfahrens.

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