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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.)

Deutsche Buchillustration des 15. Jahrhunderts.

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in Holz geschnitten hätten, zählt gegenwärtig wohl keinen Anhänger mehr.Unter anderm ist aufgeklärt, daß die neben dem Monogramm von schweizerKünstlern vorkommende Waffe keineswegs ein Schneidemesser vorstellensoll, sondern einen Dolch, und wahrscheinlich auf den Kriegsdienst desKünstlers anspielt,

Die Holzschnittillustration gelangt zu wundervoller Blüte in Deutsch-land und in Italien um die Wende des 15. und des 16. Jahrhunderts.In den frühesten Erzeugnissen der Buchdruckerpresse sind noch die Räumefür große Anfangsbuchstaben frei gelassen: der Formschneider war nochnicht im Stande, den Wettstreit mit dem Schreiber und Briefinalerin der Herstellung zierlicher Züge und Schnörkel aufzunehmen. Daherhaben diemanung der cristenheit Widder die Durken" (Mainz 1455), die zweiundvierzigzeilige und die sechsunddreißigzeilige Bibelnoch geschriebene, beziehungsweise gemalte Initialen. Aber in dem Fust-Schöfferschen Psalterium von 1457 zeigt sich jene Schwierigkeit bereitsüberwunden, ja, das Ornament, welches den Grund für die geschnittenenBuchstaben bildet uud in eine vielfach verschlungene Randverzierung über-geht, und das Blattwerk, welches in dem ersten L ausgespart ist, über-treffen an Sicherheit und Schwung die gemalten Verzierungen in denvorausgenannten Büchern. Außerdem ist der zweifarbige Druck dieser Zier-buchstaben eine mit Recht angestaunte Meisterleistung. In den siebzigerJahren wandten dann Günther Zainer und Bämler in Augsburg und Jo-hann Zainer in Ulm verzierte Initialen an. Die figürlichen Beigaben, z. B.in den Erzeugnissen Albrecht Pfisters in Bamberg (Boner'sEdelstein")blieben zunächst noch auf gleicher Höhe mit den Formschnitten der Block-bücher, wenn auch hier und da ein erhöhender Einfluß der gleichzeitigenMalerei, namentlich Schongauers, wahrzunehmen ist. Eine neue Pe-riode des Jllustrationswesens aber beginnt mit der BerlagsthätigkcitAnton Kobergers in Nürnberg . DerSchatzbehalter" von 1491 undHartmann Schedels Buch der Chroniken" mit den Illustrationenvon Michael Wolgemut und Wilhelm Plcydenwurff, 1493, sind noch heuteeine Augenweide für den Kunstfreund. Wolgemuts Schüler, AlbrechtDürer , jedoch war es vorbehalten, der deutscheu Holzschneidekunst denWeg vorzuzeichnen, auf welchen sie nach allen Abirrungen immer wiederzurückkehrt und zurückkehren muß. Denn seine Manier entspricht ebensosehr der deutschen Art wie der Natur des Materials. Sie legt den