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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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254 Die gewöhnlichen Einbände. (Holzdcckcl, Lcdcriibcrzug.) ^Viertes

bein als Mittelstück, Leisten mit rheinischem Email, und Steinen undKamecu auf dem Rande der Platte von vergoldetem Kupfer.

Bücher, welche nicht so kostbar ausgestattet, aber auch nicht auf denhäufigen Gebrauch berechnet waren, blieben oft ganz ohne Einband odererhielten doch nur ein Pergamentblatt als schützende Umhüllung"; mankann sich hierbei der Umhüllung der Rolle, aber auch der heutigen Sitte,Bücher nur in einen Papierumschlag zn hängen, erinnern. Hoel Grafvon Cornouaille (gestorben 1084) sah einst in der Kathedrale von Quimper (Departement Finistere) auf dem Altar ein Buch ohne Einband, dessenBlätter sich ablösten; das gab ihm Veranlassung, der Kirche die Felleder auf seinem Gute Quiberon getödteten Hirsche zu Büchereinbändenzu schenken. Aber noch mehrere Jahrhunderte später läßt sich die Exi-stenz ungebundeucr Bücher nachweisen.

Der gewöhnliche Einband bestand aus Holzdeckeln, die mit Leder derverschiedensten Tiere überzogen wurden. Daß Hirschleder in Verwendungstand, beweist schon die Schenkung des Grafen Cornouaille; die AbteiSt. Denis und das Kloster St. Bertin übten mit Berufung auf Schen-kungen Karls des Großen die Jagd in gewissen Wäldern aus, um Lederzum Buchbinden, beziehungsweise auch zum Anfertigen von Gürteln undHandschuhen zu gewinnen. Im 12. Jahrhundert schickte Graf Wilhelmvon Revers den Kartäusern, welche Gold und Silber abgelehnt hatten,Rindshäute und Pergament. In Ermangelung neuen Pergaments griffman nicht selten zu alten Handschriften, sowohl für die Einbanddeckenund die Vorsatzblätter, als auch für die Bünde , für die Falze zwischenden Lagen, und für die Merkbänder. Bei dem Mangel an Pietät gegenalte Schriftdenkmals ist es noch als ein Glück anzusehen, wenn derBuchbinder die Streifen, welche er aus einem Blatte einer Handschriftgeschnitten hatte, wenigstens in einem und demselben Einbande ver-arbeitete, sodaß dessen Auflösung die Wiederherstellung des Blattes er-möglicht. Bekanntlich ist auf diese Art manches wichtige Schriftfragmentwieder ans Licht gekommen.

Aber auch für die Deckel selbst sind nur zu oft alte Handschriftenverbraucht worden. Die Holzplatten waren dem Wurmfraße ausgesetztund die Schmarotzer, welche sich dort eingenistet hatten, gefährdeten dannauch das Buch. Da man außerdem auf die Herstellung leichterer Ein-bände bedacht war, verfiel man auf das Zusammenkleben einzelner