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Einfluß des Buchdrucks auf den Einband.
^Viertes
führenden Künstlers größere Freiheit als die Rollen, da sich aus deneinzelnen graden und gebogenen Linien, Schnörkeln und sonstigen Orna-mentmotiven die verschiedensten Muster combinicren ließen.
Zwischen den gepr^ten und den Mosaikeinbänden in der Mitte stehendie von den Antiquitätenhändlern gewöhnlich Emailbände genanntenLcderbände, deren erhabene Verzierungen mit Lackfarben bemalt sind.
Von Einfluß aus diese allmählichen Umwandlungen waren mannig-fache Umstände. Die Buchdruckerknnst, der Humanismus, die Reforma-tion hatten eine ungeheuere Vermehrung der Bücher und Anhäufungsolcher in? Besitz nichr nur von Kirchen und Klöstern zur Folge. Fürdie Ausstattung der Chorbücher war noch maßgebend gewesen, daß die-selben .von dem Platze, welcher ihnen angewiesen worden, kaum wiederentfernt werden würden. Bibüothekwcrkc mußten so eingerichtet werden,daß sie gemeinschaftlich anfbewahrt, daß einzelne schnell erkannt und auodein Schranke herausgenommen werden konnten. Man schichtete sie inden Regalen 7uf, den Schnitt nach vorn, aus welchen, wenn nicht aufden überschüssigen Rand des Leders, Autorname oder Titel geschrieben,ans den Schnitt gelegentlich sogar eingebrannt war, während die Titel-angabc, wenn überhaupt vorhanden, sich früher höchstens auf einein aufden Vorderdecke! aufgeklebten Papierstreisen befand, den man öfter durchein durchsichtiges Hornplättchen schützte. Beim Herausziehen eines ein-zelnen Bandes würden nunmehr die Mctallbeschläge leicht die Nachbarnverletzt haben, auch fiel die Notwendigkeit der Eckstücke fort, weil anstattdes Holzes mehr und mehr Pappe benutzt, das Format der Bücher all-mählich kleiner wurde. Denn die alten Klassiker in neuen Allsgaben,die gelehrten oder erbaulichen Schriften der Zeit sollten „handlich" sein,wie das Brevier, und nicht unnötig verteuert werde«. So wurden dieMetallbeschläge und Schließen immer seltener und erinnerten, wo sie nochvorkamen, in ihrer zierlichen Behandlung, in Filigran, mit Nielloschmuckoder eingesetzten Sternchen, kaum uoch an den ursprünglichen Zweck: denEinband zu schützen. Der Buchdruck beeinflußte aber noch ganz be-sonders die Lrnamentation des Einbandes, indem dieselben Zierstöckeebenso gut außen, wie in dem Buche zur Verwenduug kamen.
Von nicht geringerer Bedeutung war das Vordringen des Prinzipsder orientalischen Flächendekoration. Hatte dasselbe bereits durch Jahr-hunderte die Ornamcntation der Seidengcwebe beherrscht, so bürgerte es