Kapitels Einfluß des Orients auf das Deckelornamcnt. Maioli.
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sich auch in die Buchbinderornamentik ein, sobald diese in den Länderndes Südens zum Bedürfnis geworden war. Die Orientalen selbst hatten
— und haben, wie man an den persischen Lackbänden sehen kann, bis aufunsere Zeit — das gesunde Prinzip der Flächenverzierungen durch Linien-kombinationen, welche VA scheinbarer Regellosigkeit doch einem festen Planefolgen, dasselbe Prinzip, welches in den Mosaik- und Stuckbekleidungenihrer Wände zur Erscheinung kommt, auch für ihre Buchdeckel beibehalten.Hätte die spanische Inquisition nicht geglaubt, durch Verbrennen allerihr in die Hände fallenden arabischen Bücher samt den kostbaren Ein-bänden ein gottgefälliges Werk zu verrichten, so würde wahrscheinlich dieGenesis jener Buchbinderornamentik, welche wir nach Maioli oder Gro-sser zu benennen Pflegen, deutlich vor Augen liegen. So aber läßt sichnur konstatieren, daß in Italien im 15. Jahrhundert der Geschmack anrauten-, gitter- und bandartigen Verzierungen auf Buchdeckeln auf-gekommen ist. Aldus Manutius in Venedig, welcher Buchdruckorna-mente, und unter anderm sein Signet, auf Lederbänden abdrucken ließ,scheint auch zu den ersten gehört zu haben, welche orientalische Musterkopierten; ob er, wie Cundall^ meint, sich dabei arabischer und griechi-scher Arbeiter bedient habe, muß dahingestellt bleiben. Derselbe Autorerwähnt ausdrücklich unter den ältesten Beispielen von Büchern mitgeometrischen Mustern, Bandverschlingungen u. s. w. ein neapolitanischesManuskript vom Ende des 15. Jahrhundert im British Museum . Imnächstfolgenden Jahrhundert wurde die Liebhaberei an schönen Einbändenin Italien allgemein. Schon Nikolaus V. und andere hatten daraufgehalten, daß Schrift, Auszierung und Einband eines Buchs des In-halts würdig sei; sie „verlangten und duldeten nur Schönes". Für dieEinbände in der Vaticana und in Urbino war Karmoisinsammet mitSilberbeschlägen vorgeschrieben.^ Die spätern Päpste, Kardinäle, Für-sten , Barone und Gelehrten teilten diese schöne Neigung. Am meistenBedeutung für die Entwickelung der Buchbinderkunst aber hatte einMann, von dessen Lebensverhältnissen nichts bekannt ist, TommasoMaioli, dessen Name auch nur dadurch überliefert ist, daß er auf denDeckeln seiner Einbände die ganz im Geiste des Humanismus gedachteInschrift setzen ließ: IKo. Naivli st ^.micoriun. Diese Bände, Leder
— und zwar meistens braun, oder olivengrün, oder schwarz — sind inder Regel von einem großen Band- oder Cartouchenmuster, in Blind-
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