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Anton Kobcrgcrs Vricfwcchsel mit Amcrbach nnd Pctri. ^Fünftes
jedoch Koberger nicht entgegen, wenigstens ist nach 1488 keine weitereKeßlcr'sche Ausgabe bekannt.
Ungünstiger gestaltete sich natürlich das Verhältnis den Druckerngegenüber, welche keine derartige ,^Ricbtuug" (Vereinbarung) eingingen.Kobergers Ausgabe des Hugo war überhaupt die erste, zugleich einesorgfältig von Amcrbach kritisch bearbeitete. Hier hätte es sich also even-tuell nicht uu? den kritiklosen Abdruck eines vielleicht schlechten Originals,wie ihn jeder beliebige Drucker herstelle» tonute, gehandelt, sondern umden Raub geistiger Arbeit und des Ergebnisses von Forschungen, derenQuellen mit großen Kosten und Mühen aus den verschiedensten Klösternund Städten zusammengebracht waren. Koberger hatte sich in seinenBefürchtungen nicht getäuscht; indessen sollten ihm diesmal Schaden undVerlust von einer Seite kommen, gegen welche er sich nicht vorgeseyenhatte: von seinen eigenen Druckern nämlich, wie dies die Folge ergebenwird.
Überhaupt kann man sich von den Schwierigkeiten, mit welchen ervon Anfang an fortwährend zu kämpfen hatte, heutzutage schwerlich einennur annähernd richtigen Begriff machen. Es seien hier wenigstens diebedeutendsten kurz hervorgehoben. Da verhinderten zunächst die schlechtenund unsichern Wege den regelmäßigen Verkehr zwischen Nürnberg undBasel , die Zahlungen gingen wegen der verschiedenen kleinen Kriege undFehden nur unregelmäßig und meistens in schlechten Gcldsorten ein, jastockten zn Zeiten vollständig und machten es Koberger oft beim bestenWillen unmöglich, seinen Verbindlichkeiten gegen Amcrbach pünktlich nach-zukommen. Das Papier entsprach vielfach nicht den gesandten Proben,oder wurde in ungenügenden Quantitäten geliefert, sodaß manchmalmonatclange Stockungen im Druck eintraten. Amcrbach nnd Pctri sorg-ten nur ungenügend für gute Verpackung; schlechte Fässer, die sie ver-wandten, veranlaßten bei ungünstigem Wetter die Dnrchnässung ganzerSendungen, ja, ließen diese zu Makulatur werden.
In erster Linie aber handelte es sich bei der Herstellung einer mög-lichst korrekten Ausgabe um die Beschaffung guter Handschriften (Lxvm-plai-is.), welche meistens mit größter Mühe aus Städten, wie Köln undLübeck, oder aus Klöstern, wie Heilsbronn (bei Ansbach), Maulbronn u. a.,entliehen werden mußten. So zeigt Koberger am 27. April 1495 Amer-bach an, daß er ihm durch Ruprecht aus Basel in einem „Fäßlein"