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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Anton Kobcrgers Briefwechsel mit Amerbach und Petri.

Winftes

denn wenn jener schon die Absicht gehabt hätte, das Werk neu zu drucken,so sei es jedenfalls seine Pflicht gewesen, es ihm eine Zeit lang vorheranzuzeigen, damit auch er, Koberger, das Seiue hätte zu Geld machenkönnen.Aber diese Treue", schreibt er weiter,hat er mir nicht be-wiesen."Ich habe es längst von andern gehört, auch meine Dienerhatten mir davon geschrieben, aber ich habe es nicht glauben wollen, bisich Euern Brief erhalten habe. Ich habe auch längst gemerkt, daß er(Petri) mir den Nutzen und Gewinn an dem Werk nicht gegönnt hat,obwohl ihm dies auch zugute kommt; denn hätte ich das Werk nicht soteuer gehalten und wäre es gleich im Anfang in der Leute Hände ge-kommen, so hätte Meister Hans es nimmermehr mit Nutzen drnckenmögen." Koberger verschmäht es, sich an Petri zu rächen, was er durchAbbruch seiner Geschäftsverbindung mit ihm oder durch Vorenthaltungvon Geldern sehr leicht gekonnt hätte.Das wäre", sagt Koberger,einrechtes Salz zu dem Wildpret, das ich um Gottes willen nicht thun,sondern ihm erbar freundlich gute Zahlung leisten will, als ein frommerMann, der es Gott anbefiehlt, was er mir für Schaden zugefügt hat."

Infolge dieses Neudrucks nun entschloß sich Koberger schnell, für dievorrätigen Exemplare seiner Ausgabe Absatz im Auslande zu suchen, eheer dort eine Konkurrenz zu fürchten hatte. Das war ein weiterer undwohl der Hauptgrund, seinen Neffen Hüns mit jenen 300 Exemplaren,wie schon erwähnt, nach Venedig abzuschicken.

Die Handlungsweise der baseler Gesellschaft war gegenüber dem ihrvertrauenden und ihre Pressen gewinnbringend beschäftigenden Geschäfts-freunde geradezu eine schmachvolle; sie wurde aber noch verächtlicher durchden Umstand, daß Amerbach that, als ob er dem ganzen Plane serustehe. Nun aber druckten Amerbach und Petri gemeinschaftlich und ent-warfen selbstredend auch gemeinschaftlich ihre Plä;... Jenem lag dieLeitung des Ganzen und besonders des wissenschaftlichen Teils des Ge-schäfts ob, während dieser der eigentliche Drucker wur und den technischenTeil leitete. Diese schnöde Schädigung Kobcrgers wurde später in ähn-licher, ja in noch heimtückischerer und schliminercr Weise wiederholt.

Amerbach gilt allgemein als ein vollendeter Ehrenmann, dessen edelnCharakter, Uncigenuühigkeit und Frömmigkeit Zeitgenossen und Nachweltnicht müde werden in allen Tonarten zu preisen. Er selbst nennt sicheinen frommen Katholiken, der nur die wahren, keuschen und göttlichen,