KciPitcl.Z Anton Kobergers Briefwechsel mit Amerbach nnd Pctri. 353
nicht aber die verlogenen obscönen und weltlichen Blicher liebe und durchden Druck verbreite. Wenn er nun in demselben Briefe vom 28. Sep-tember 1498 den ihm vertrauenden Koberger als einen edeln und ge-rechten, vortrefflichen und währen Mann feiert, so finden, soweit mannach seinem heimtückischen Verrat am Geschäftsfreunde urteilen kann,diese anerkennenden Worte auf ihn selbst keine Anwendung. Im Lichteder quellenmäßigen Thatsachen betrachtet ist vielmehr Amerbachs Charakterdurchaus nicht rein. Man kann auch die damaligen Anschauungen überden Nachdruck nicht zu seiner Entschuldigung anführen, denn Amerbachbrach seinem Freunde die Treue.
Koberger seinerseits trat diesem schimpflichen Gebaren vornehm, javielleicht zu harmlos entgegen. Als Petri ihm schließlich seinen Nach-druck der ,Mossa oräinaria," zum Kauf angeboten hatte, schrieb Kobergeran Amerbach: „Es ist mir schwer, mit ihm (Pctri) zu handeln, Ihrwißt, wie es mir mit ihm ergangen ist und wie mir sein Nachdruckgroßen Schaden bereitet hat; trotzdem aber, da der Handel in deut-schen Landen fast auf Euch, Ihm und mir ruht und steht, sowäre ich wohl geneigt, weiter mit Euch zu handeln, aber es müßte sozugehen, daß keiner von dem andern Schaden zu besorgen hätte. Dannhoffe ich, die Werke in solchem Wert zu halten, daß wir uns des Han-dels unser Lebtag mit gutem Nutzen erfreuen und unsere Nachkommenihre Nahrung vielleicht auch besser davon haben möchten." So wurdedenn die bestehende Geschäftsverbindung nicht abgebrochen, obwohl Kobergerwahrlich guten Grund dazu gehabt hätte.
Der letzte (siebente) Band des Hugo wurde, wie schon gesagt, gegenMartini 1502 beendigt. Von der Auflage von 1600 Exemplaren gingenin der Folge 300 nach Lyon , wo sie übrigens nur langsam Absatz fan-den — in Frankreich „stec (stockt) es allenthalben sere und schafft nie-mand nichtz", schreibt Koberger —, 300 nach Spanien und 400 nachItalien , aus welch letzterm Lande jedoch der größte Teil zurückgesandtwurde. Die übrigen Exemplare ließ Koberger nach Nürnberg, Straß-burg, Frankfurt und Pqris kommen. In Basel blieb von der ganzenAuflage nichts. Am 26. Juli 1503 schickte er acht vollständige Exem-plare an Amerbach zurück, da dieser geschrieben hatte, er könne sie ver-kaufen.
Kobergers Freude an dem endlich vollendeten Werke sollte indessenKapp. i. 23