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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.) Bedeutung des Rachdrucks in der Reformationszcit. 427

Druckern, davon sie selbst weiter wohl werden sich beratschlagen undunterreden." Dieser Plan hat sich übrigens in der Folge nicht ver-wirklicht; auch ist es Mehr als fraglich, ob durch seine Ausführung demNachdruck wirksam gesteuert worden wäre. Denn wenn auch die Stel-lung Kobergers eine mächtige und hohe Achtung gebietende war, so blieber doch dem Nachdruck gegenüber ebenfalls wehrlos, ja doppelt wehrlos,weil diesem bei der leichten Flugschriftenlitteratur viel eher, als denschweren Folianten gegenüber nachgesehen werden konnte.

Kurz, der Nachdruck nahm Luther gegenüber nicht ab, sondern griffimmer weiter um sich und wurde, wenn er Luther persönlich auch schä-digte und ärgerte, durch seine täglich wachsende Betriebsamkeit der be-deutendste Hebel zur Ausbreitung der Reformation. Die Entwickelungder buchhändlerischen Verbindung des deutschen Nordens mit dem Süden,und des Ostens mit dem Westen, war in ihren vielversprechenden An-fängen gehemmt, der buchhändlerische Verkehr aus der leipziger Messe durch die Haltung Herzog Georgs von Sachsen gegenüber der Refor-mation schwer geschädigt worden. Der gesamten Reformationslittcraturwar dieser geschäftliche Bermittelungspunkt verschlossen. Aber der Nach-druck überbrückte die gewaltsam gerissene Kluft und vermittelte auf die-sem Gebiete.für das ganze Volk die Einheit der geistigen Interessen.Das ist keine Übertreibung, sonderu bis zum Edikt von Regensburg (Juui 1524) eine unbestreitbare Thatsache.

Die Bibliographie der Reformationslitteratur hat bis jetzt nur dieNachdrucke aus den größern Offizinen verzeichnet und zu verzeichnenvermocht; sie weiß so gut wie nichts von den Winkeldruckereien zu be-richten, welche aus eiuem oder dem andern Grunde mit ihrem Namennicht hervorzutreten wagten, oder sich zur Irreleitung der Behörden einererdichteten Firma bedienten. Ihre Thätigkeit kann indessen nicht unbe-deutend gewesen sein, da sie ihre Ware namentlich an die kleinen wan-dernden Buchführer verkauften, vielleicht gar vorwiegend für sie arbei-teten. Wolfgang Stöckel , der Buchdrucker, betont in seiner Aussage vordem leipziger Rate im Jahre 1524, daß Luthersche Schriften unter an-derm in Grimma, Zwickau und Eilenburg gedruckt und nach Leipzig ein-geführt worden seien, verschweigt aber unter den gerade obwaltenden Ver-hältnissen natürlich, daß dies z. B. an dem letztgenannten Orte wohlunter fingierter Firma für seine eigene Rechnung geschehen sein dürfte