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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Beziehungen zu Italien .

lAchtes

der Borrede zu seiner Ausgabe dreier Tragödien Seneca's (Nürnberg 1520), daß Venezianer und Franzosen so große Massen Bücher inDeutschland einführten; aber selbst noch um die Mitte des Jahrhundertswurden die Verbindungen mit Italien noch teilweise durch persönlichenVerkehr, speziell von Basel aus, unterhalten. Peter Peru«, selber einJtiliencr, aus Lucca gebürtig, und Johann Herwagen reisten z. B. nachItalien, und andererseits besorgte Pietro Antonio Sessa in Mailand per-sönlich seine Einkäufe in Basel .» D.ie buchhändlerische FührerschaftFrankfurts war eben m Bezug ans das Ausland damals noch keine un-bedingte, sondern wurde es erst infolge der Nachwirkungen der Refor-mation.

Ein in dieser Beziehung interessantes Beispiel liefert auch das Testa-ment des 1539 gestorbenen Admirals Ferdinand Columbus , welcher unterandern: ein Legat für eine in Sevilla zn begründende öffentliche Biblio-thek, die spätere Columbina, aussetzte und sechs Städte: Rom , Venedig,Nürnberg, Antwerpen, Paris und Lyon, für den Ankauf von Büchernbestimmte. Obgleich Frankfurt damals schon unbestritten seme maß-gebende Stellung für den deutschen Buchhandel einnahm, so scheint Co-lumbus es nicht einmal dem Namen nach gekannt zu habeu, währendzu jener Zeit Nürnbergs Handel sich über ganz Spanien erstreckte undder Ruhm seines Gewcrbfleißes alle Welt erfüllte. Es war also keinWunder, wenn der Admiral, vielleicht auch von einigen schönen Koberger-schen Ausgabcu der Kirchenväter, der Bibel, der Schcdelschen Welt-chronik, oder auch von der Erinnerung an den nürnberger GeographenMartin Beheim am portugiesischen Hofe bestochen, Nürnberg zugleichfür den größten deutschen Büchermarkt hielt und hier seine Zweckeam besten erreichen zu können glaubte.

Noch schwerer, wenn nicht unmöglich ist es, da hier so ziemlich allezeitgenössischen Urkunden fehlen, den Zeitpmckt genau festzustellen, in wel-chem zuerst die übrigen fremden Buchhändler mehr oder weniger regel-mäßige Besucher der frankfurter Messen wurden. Es liegt aber dieVermuthung nahe, daß sie sich schon frühzeitig eingestellt haben. Diefranzösische, belgische und holländische Druckerthätigkeit entwickelte sich näm-lich, wie aus dem dritten Kapitel mit zu ersehen ist, schon gegen Endedes 15. Jahrhunderts zu eiuer solchen Blüte, daß sie auch im Auslandefür ihre Erzeuguisse Absatz suchen mußte. Die fremden Verleger hatten