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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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461
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Kapitels . Das Geleit. Empfang der Mcßfremden in Frankfurt . 461

leute zur frankfurter Messe nach; im Jahre 1595 zogen fünf leipzigerBuchhändler in diesem Geleit nach Frankfurt . Vielfach wurde das Gc-lcitsrccht sogar ;u persönlichen Vorteilen und selbst zu Erprcssnngen miß-braucht. Heute versagten die Herzöge von Bayern , morgen die vonWürtembcrg und ein andermal die Psalzgrafen. Oder sie kündigtenes auch unmittelbar vor einer Messe und ließen dann den Überfall un-geschützter Kaufleute straflos geschehen. Am schlimmsten trieben es diekleinen Dynasten in der nächsten Umgebung von Frankfurt , die zumTeil förmlich von derartigen Naubzügcn lebten und wenn sie nicht inFeindschaft zu den Kaufleuten standen, doch als Frennde von ihnen ge-füttert sein wollten. Dieser Zustand dauerte hier bis in die Nefor-mationszeit hinein. Vor und nach dem Dreißigjährigen Kriege wurdedas Übel durch die zahlreichen Marodeure und entlassenen Soldaten nochschlimmer. So sagt z. B. Tobias Ruprecht in der Leichenrede auf denam 17. Mai 1659 verstorbenen Buchhändler Wolfgang Endter den Älternin Nürnberg Er war ein kluger und verständiger Mann, der seineSachen weißlich angefangen, wohlbedachtsam fortgeführt, und glücklichvollendet, hat sich auch nicht leichtlich eine Mühe dauern lassen, sondernin dem dreißigjährigen Krieg die meiste Zeit mit Reisen Tag und Nachtzugebracht, und darüber von den Soldaten vielmalcn angefallen, ausge-plündert, und cinsmals gar gefänglich weggeführt worden, da er dennetliche Wochen in nicht geringer Leibs und Lebensgefahr gesteckt, zu ge-schweigen des vielmaligen Verlustes, so er durch Plünderung auf denStraßen erlitten."

Aus diesem Grunde war das Geleit eine Forderung der Sicherheit.Langten nun die Geleitstruppen glücklich vor- Frankfurt an, so wurdensie an einem bestimmten Tage eingeholt. Die Reisigen und die welt-lichen Richter der Stadt trafen mit den Gästen an der städtischen Grenzezusammen und boten ihnen hier den Willkommentrunk. Der große Marktwurde zur Bezeichnung des Anfangs und Endes der Messe mit dergroßen Glocke ein- und ausgeläutet. Das Einläuten bezeichnete den Be-ginn des Meßverkehrs und der vollen Marktfreiheit, welche darin be-stand, daß Käufer und Verkäufer im offenen Gewölbe miteinander han-deln durften. Die Reichsfahne auf dem Turm oder ein Schild aufeinem Turm oder Thor waren die sichtbaren Zeichen dafür, daß dieseFreiheit unbeschränkt herrschte, während das Einziehen der Fahne oder