Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
470
Einzelbild herunterladen
 
  

Der Einkauf und die Einkäufer.

sAchtes

gaben ihren die verschiedenen Gebiete bereisenden Dienern wohl gar einförmliches Rendezvous auf der Messe. Arnold Birckmann von Köln z. B. erschien auf der Fastenmesse 1565 mit nicht weniger denn achtReisedienern; jeder'einzelne derselben entnahm für sich seinen Bedarf vonSigismund Feyerabend. Sie genossen wohl einer gewissen Selbständig-keit und das auch mit Recht, denn sie kannten das von ihnen bereisteTerrain am besten. Nach beendigter Messe zogen sie dann' mit ergänz-ten und neuassortierten Porräten gleich den kleinen Buchführern, dieallein diese Absicht zur Messe führte wieder von dannen in die Weite,Wohl auf die Messen in den Niederlanden, nach Straßburg , nach Zur-zach u. s. w., vielleicht gar nach Italien ; denn ein Philipp Junta be-fand sich unter ihnen. " Namentlich die zurzacher Messe scheint vonBedeutung gewesen zu sein; sie war wenigstens für Birckmann ein wich-tiger Saldierungstermin gegenüber der Firma Froben-Episcopius. ImJahre 1563 hatte er an demselben nicht weniger als 2000 Gulden zuzahlen!

In den Gewölben aber drängten und hasteten, wie Josua Maler an-deutet, die Einkäufer, um schnell ihre Geschäfte zu beenden und wiederheim, auf die Jahrmärkte oder auf die leipziger Messe ziehen zu können.Denn dicht folgten die leipziger Öfter- und Michaelis- auf die frank-furter Fasten- und Herbstmessen, und die Reise dahin währte lange, undnoch langsamer fuhren die Frachtwagen. Eilig wurden die Vorräte durch-mustert, was notwendig gebraucht wurde, was vou den Neuigkeiten Ab-satz versprach oder durch den Titel lockte und reizte, das wurdeaus-gesetzt",eingeschlagen" (verpackt) und fortspediert. Als im Jahre 1557die leipziger Buchhändler vor dem Rate wegen des Vertriebs der vondem Dr. Basilius Monner in Jena unter dem Pseudonym ChristianAlemau bei Nikolaus Brhlinger in Basel verlegten Schrift über denSchmalkaldischen Krieg vernommen wurden, rechtfertigten sich die Jn-quisiten mit dem Dränge der Meßgeschäfte, daß siesolch buch zu Frangk-furt nicht gelesen, sondern wie es pflegt inn Messen in gedreng und eilzuzugehen, nicht mehr dann den Titel gesehen, und ein anzahl Exem-plaria hingesetzt und alsobald eingeschlagen und aufladen lassen, undnicht ehe inn erfarung kommen seind, was inn gemeltem Buche stehet,bis das sie die Buecher anher gebracht, und aus den Fassen genommen" ^°

Dann waren Kommissionen zu erledigen: Aufträge auf Besorgung