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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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489
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Kapitels Anordnung der Kataloge. Der leipziger Mcßkalalog. 489

Drucks nach Augsburg aber, von wo ab sein Hauptabsatz wahrscheinlichfür katholische Litteratur ein überwiegenderer wurde, nimmt diese auchden Bortritt, zeigt sich die protestantische immer schwächer und schwächervertreten, obschon der Titel des Katalogs unverändert bleibt. In denRatsmeßkatalogen erscheint selbstverständlich die lutherische Theologie voran;erst unter dein wachsenden Druck der kaiserlichen Bücherkommission siehtsich der Rat, wie im zehnten Kapitel näher ausgeführt werden wird, ge-nötigt, die katholische voranzustellen. Aber konsequent steht die reformiertetheologische Litteratur erst iu dritter Linie. Die Anordnung der Titelinnerhalb der einzelnen Abteilungen ist dagegen nirgends systematisch oderalphabetisch. Was t>ie Willerschen Kataloge betrifft, so scheint es, alsob dieselben nach Ordnung des Lagers nach den Büchertitelu aufgenom-men wären; bei den Ratsmeßkatalogcn und ihren offiziellen Nachfolgernläßt der Umstand, daß fast immer der Verlag eines und desselben Ver-legers in derselben Rnbrik hintereinander aufgeführt ist, darauf schließen,daß die betreffenden Bearbeiter einfach die eingelieferten Titelblätter oderdie auf Zettel geschriebenen Titel jedes Verlegers zusammen auf die diebetreffenden Rubriken euthaltenden Päckchen gelegt und so das Manu-skript für den Druck gebildet haben.

Es erübrigt noch, die Entstehungsgeschichte des leipziger Meßkata-logs zu besprechen", da dieselbe nicht füglich von der des frankfurtergetrennt werden kann. Der im zweiten Kapitel erwähnte Henning Großehatte zur Ostermesse 1595 (eigentlich für die Michaelismesse 1594) ausden verschiedenen frankfurter Katalogen einen einzigen zusammengestellt,seiner in einem Aktenstück gegebenen Erklärung zufolge, um seine Kun-den billiger befriedigen zu können, Möglicherweise hatte ihm sogar diegewiß schon länger bekannte oder besprochene Absicht des frankfurter Rats,die Herausgabe des Meßkatalogs an sich zu ziehen, den Anlaß zu seinemUnternehmen gegeben; er mochte der Meinung sein, mit der Begründungeiner Konkurrenz in Leipzig nicht nur seine eigenen Interessen, sondernauch die des leipziger Platzes zu fördern. Nachdem er sein Unternehmenmehrere Jahre sortgesetzt hatte, trat Abraham Lainberg als Konkurrentauf, indem er in der Michaelismesse 1598 ebenfalls einen Meßkatalogdruckte, zunächst ohne Privilegium, während dagegen, wie schon erwähnt,Große im Besitze eines Generalprivilcgiumö sich befand. Im nächstenJahre wußte sich Lainberg aber ein eigenes kursächsisches Privilegium