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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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528 Erzbischof Bcrtholds von Mainz Censurerlaß von 148«. ^Neuntes

digten der Mystiker, z. B. Taulers, waren damals noch nicht durch denDruck vervielfältigt, geschweige, daß kirchenfeindliche lateinische Werke insDeutsche schon übersetzt worden waren. Der Erzbischof kann also nurdie Übersetzungen der Bibel ins Deutsche gemeint haben, von denen biszum Jahre 1485 schon 10 in hochdeutscher und 2 in plattdeutscher Spracheerschienen waren.

Die göttliche Buchdruckerkunst", so lauten im wesentlichen die Bestim-mungen,macht aller Welt den Gebranch von Büchern zur Belehrung undErbanung zugänglich. Viele aber mißbrauchen, wie wir gesehen haben, dieseKunst aus Ruhmessucht und Geldgier, sodaß sie die Menschheit verderben,statt sie aufzuklären. So finden sich zur Herabsetzung der Religion und ihrerSpitzen Schriften in den Händen des Volts, welche aus dem Latrinischenins Deutsche übersetzt sind (libri üe «Zivinis c>knvii8 st apicidus reliZionisn»5t>'kv). Die heiligen Gesetze und Canones sind aber von weisen und be-redten Männern mit so großer Sorgfalt und Geschicklichkeit zusammengestelltund ihr Verständnis ist so schwierig, daß zu ihrer Bewältigung die Dauerdes menschlichen Lebens selbst für den Einsichtigsten kaum ausreicht. Gleich-wohl haben ciuige freche und unwissende Leute es gewagt, jene Schriften inso schlechtes gewöhnliches Deutsch zu übersetzen, daß selbst Gelehrte durchihre Arbeiten zn großen Misverständnissen verführt sind. Sodann erscheinenvon Irrtümern wimmelnde Bücher aus andern Gebieten des Wissens unterlügnerischen Titeln, welche mit verdienstvollen Schriftstellern als angeblichenVerfassern prahlen, um dadurch desto mehr Käufer zu finden. Diese Über-setzer nun, ob sie in gutem oder schlechtem Glauben handeln, können nichtbehaupten, daß die deutsche Sprache fähig sei, das genau wiederzugeben, wasjene ausgezeichneten griechischen und lateinischen Autoren mit der sorgfältig-sten Genauigkeit des Ausdrucks und der vollsten Kenntnis des Gegenstandesüber die erhabenen Spekulationen des christlichen Glaubens geschrieben haben;sie müssen vielmehr einräumen, daß die Armut unserer Sprache ihre Be-mühungen vereitelt und daß sie aus diesem Grunde gezwungen sind, ihrHirn zur Erfindung neuer Ausdrücke zu martern, oder bei einzelnen altenSchriftstellern den Sinn zu entstellen, was Wir wegen der damit für dieheiligen Schriften verbundenen Gefahr noch mehr fürchten, denn Wir besor-gen sehr, daß, wenn sie nur die alten gebrauchen, sie den Inhalt der ge-offenbarten Wahrheit ändern, woraus eine ungeheuere Gefahr für die heili-gen Schriften entsteht. Wer aber gibt deu ungebildeten Männern und Frauen,welchen die heiligen Bücher in die Hände fallen, die Fähigkeit, den richtigenSinn herauszufinden? Wenn mau z. B. den Text des Evangeliunis oder dieBriefe des heiligen Paulus prüft, so wird jeder unterrichtete Mensch sich leicht da-von überzeugen, daß viele Stellen durch andere Schriften ergänzt werden müssen."