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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Die Schmäh- und Famosschriftcn im öffentlichen Leben. sNenntes

steuern. Die Missethäter wurden wohl in den Thnrm gesetzt, in den Bockgespannt oder an den Pranger gestellt; allein selbst diese harten Strafenkonnten den rohen Hang im Volke nicht ausrotten, der erst allmählich unterbesser erzogenen und gebildeten Geschlechtern in Vergessenheit geriet.

Nicht anders war es im öffentlichen Leben. Der gewaltige, dnrch dieReformation hervorgerufene Kampf hatte die Leidenschaften in Kirche undStaat entfesselt und mußte austoben. Seine Niederlage durch die Waffenfeuerte ihn zu verdoppelte» Anstrengungen ans geistigem Gebiete an. Haß,Zorn und Verachtung erzeugten Schmähung, Spott und Hohn, die sich,dem Charakter der Zeit entsprechend, meist in rohen Kraftausdrücken Luftmachten.In erster Linie wurden der Papst, der römische Hof und diehöhere Geistlichkeit in Pasquillen, Spottlicdcrn und Schmähschriften, baldmit Witz und satirischer Lann?, bald mit bitterstem Zorn und tiefstemIngrimm oder mit einer Verachtung, welche dem Innersten der Seeleentquoll, in ihrer sittlichen Entartung, ihrer Geldgier, Herrschsucht, Un-zucht, Unmäßigkcit und überhaupt in ihrer ganzen Unsauberkeit im Denkenund Handeln, Wollen und Streben dein Volke zur Schau gestellt. Aufsie entlud sich in solchen Schriften im vollsten Maße alles, was nurirgendeine Seele, glühend von Haß und Erbitterung, unversöhnlicherFeindschaft und tiefster Verachtung irgendwie auszusprcchcn vermag, gleichals hätte sich dies alles jahrhundertelang durch Baun und Interdikt,durch Scheiterhaufen und Kerker niedergehalten und zurückgedrängt, imvollsten Maße sammeln sollen, um mit einein mal sich über Rom undseine Priestcrschaft wie im wildesten Strome zu ergießen." Nächst Romwar der Kaiser Karl V. selbst, von seinem ersten Auftreten im Reiche an,den steten Angriffen der Spott- und Schinachschriften ausgesetzt. Jedeseiner Maßregeln wurde von seinen Gegnern der rücksichtslosesten Krititund häufig auch ungerechter Verdächtigung unterzogen. Das WormscrEdikt, seiuc Versuche zur Beileguug der religiösen Streitigkeiten, nament-lich das Interim und seine unwürdige Behandlung der gefangenen pro-testantischen Fürsten, vor allem aber seine Begünstigung der Spanierund fremden Völker bildeten den Gegenstand zahlloser überall und zujeder Zeit wiederkehrender Anklagen und Schmähungen. Der Kaiser nahmoffenbar einen sehr bedeutenden Einflnß dieser Schmähschriften auf dieMeiuung und Stimmung des Volks wahr und suchte sie deshalb auchmit Nachdruck und Strenge zu unterdrücken.