Kapitel.) Verhalten der theologischen Fakultät bei der Censur. 605
der frankfurter Rat dem Verlangen Kursachsens ohne weiteres, und Cle-mens Schleichs Erben — er selbst war während der Untersuchung imAugust 1638 in Leipzig an der Wassersucht gestorben — fügten sich umso bereitwilliger, als sie nur durch solche Fügsamkeit einen schwerern Ver-mögeusverlust abzuwenden vermochten. Infolge der anbefohlenen Konfis-kation ist von der ersten Ausgabe (später erschienen noch fünf von 1662bis 1733) fast kein Exemplar mehr aufzufinden.^
Schließlich noch eiu Beispiel für das Verfahren der orthodox-lutheri-schen Censoren. Im Jahre 1697 hatte der kopcnhagener BuchhändlerErythropilus Auftrag gegeben, in Leipzig eine neue Auflage der ausdem Englischen übersetzten Predigten und Schriften Thomas Watsons zu drucken. Der Dekan der theologischen Fakultät, Dr. Alberti, zugleichMitglied der Bücherkommission, lehnte die Censur ab, da ihm nicht zu-gemutet werden könne, ein Calvinisch Buch zu eensieren. Die Buch-drucker beschwerten sich bei dem Rate: das Werk sei schon mehrmals inSachsen gedruckt, öffentlich verkauft und nie verboten worden; auf solcheArt würde ihnen die Arbeit für fremde Buchhändler entzogen. Auf eineEingabe des Rats entschied diesmal das Obcrkonsistorium doch — der Über-gang zu einer mildern Praxis war schou eingetreten —, das; Alberti dasWerk censieren, etwaige bedenkliche Stellen und solche «untra. ortuo-ckoxiaiQ streichen und dann deu Druck verstatten solle. ^ Jenes Ver-halten Alberti's war jedoch kein ausnahmswcises oder vereinzeltes; imGegenteil, es entsprang der Methode der theologischen Fakultät, aus dieseWeise das Erscheinen eines jedweden ihrer dogmatischen Stellung nichtentsprechenden Werks in Leipzig zu verhindern. Denn da Leipzig alsVerlagsort nur auf solche Werke gesetzt werden durfte, welche daselbstdie Censur passiert hatten, so war mit der Verweigerung der Censurnicht uur der Druck, sondern anch das Erscheinen nicht orthodox-lutheri-scher Werke unterdrückt. Aus diesem Mißbrauch des Censnrrcchts, nichtaus der Bedeutung Frankfurts als Meßplatz, erklärt es sich denn auch,daß um die Wende des 17. Jahrhunderts so manche bedeutende theolo-gische Werte zwar mit der Firma leipziger Buchhändler, aber mit deralleinigen Bezeichnung Frankfurts als Verlagsort erschienen. Beispielehierfür bieten die Firma Johann Friedrich Gleditsch , und namentlichThomas Fritsch. Letzterer ließ z. B die Kirchen- und KetzerhistorieGottfried Arnolds und andere Werke desselben Verfassers in dieser Weise