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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitels Entwickclilnq der Pcrhältnissc im nllqemrim'», 617

zu haben und sich durch Preisgebuug seiner politischen Rechte retten zukönnen. Es war ein in sich verknöcherter, lediglich seinen kleinen per-sönlichen Interessen lebender Stadtadel, roh gegen seine Mitbürger undfeig gegen die Mächtigen, dessen ganze Politik im Ausweichen vor oderim Unterkriechen bei den Stärkern bestand; ein schwächliches Patriciat,welches, wie später bei dem Fettmilchschcn Aufstand (1612 bis Z616),dem ersten energischen Austurm wich uud nach endlichem, durch HilfeDritter erruugeuem Sieg mit grausamem Rachedurst gegen die unter-liegenden Feinde wütete.

Natürlich ist es unter diesen Umständen auch kein Trost, daß dasÜbel sich nur langsam entwickelte und daß erst mit dem Anfang des17. Jahrhunderts, als die feindlichen Gegensätze zwischen Katholizioinuound Protestantismus sich immer schärfer zuspitzten, die Büchcrkommissionsich in ihrer ganzen Gehässigkeit und Verderblichkeit geltend machte.

Rudolf II. griff die Sache methodisch an und bereitete seine Schrittegründlich vor. Sein Nachfolger Mathias folgte ihm auf dem betretenenWege nnd schlug der Freiheit des Handels, sowie dem ganzen wissenschaftlichen Leben Deutschlands die tiefsten Wunden. Die Regierungender Ferdinande und Leopolds vervollkommneten womöglich noch die klein-lichsten Verfolgungen, die Unterdrückung des freien Gedankens und dievöllige Lahmlegung des ciust großartigen frankfurter Mcßverkehrs. Esdauerte volle 80 Jahre, bis zum Jahre 1662, daß die Bücherkommissionden frankfurter Rat als willenloses Werkzeug iu ihreu Händen hatte,und wieder vergingen 60 Jahre, bis sie völlig triumphiert uud deufrankfurter Meßbuchhaudel vernichtet hatte.

Doch zurück zu den Anfängen! Während des 16. Jahrhunderts sindleine ernsten Verwickelungen zwischen Rat nnd Kommissiou vorgekommen,denn sonst würden die vollständig erhaltenen städtischen Akten davonberichten. Erst in den neunziger Jahren taucht die alte kaiserliche Be-schwerde wegen der an die Reichshofkanzlei zu liefernden Freiexemplareprivilegierter Bücher wieder auf. Aus den frankfurter Meßkatalogeuginge, wie der Kaiser in einem Erlaß an den obengenannten JohannBest unterm 20. März 1596 rügt, hervor, daß einzelne Verleger ihrerPflicht uicht nachkämen und daß andere ihren Büchern angebliche kaiser-liche Privilegien vordrncktcn, die sie nie erbeten uud erhalten hätten.Um diesem Unfug für die Zukunft zu steuern,befehlen Wir Dir hier-