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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
619
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Kapitels Der Bücherkommissar Dr, Leucht. Schwache Thätigkeit desselben. 61V

datierten öffentlichen Ankündigung,Leibesblödigkeit halber", den Päpst-lichen Protonotar und kaiserlichen Pfalzgrafen Dr. Valentin Leucht, Nach-folger des inzwischen verstorbeneu Steinmetz an der Domkirche, und denwerthheimschen Rat, Dr. Johann Baptist Ehsen. Letzterer trat über-haupt nicht handelnd auf, Best aber erscheint fortan nicht mehr in denAkteu und starb jedenfalls vor 1608. Leucht war bis zu seinem 1618erfolgten Tode thätig, schritt aber selten ein. So beantragte er erst1606 bei dem Bürgermeister die Konfiskation einesFamospatcnts"wider die päpstliche Messe und 1607 einigerKupferstücke und Famos-gedichte" gegen das Haus Österreich , welche ungestraft in der Buchgasscumgetragen, verkauft und angeschlagen würden. Leucht handelte hier wiein andern Fällen übrigens nicht eigenmächtig, sondern nahm erfolgreichdie Hilfe der städtischen Behörden in Anspruch.

Nach einem energischen Anlauf war also bald wieder ein völligerStillstand eingetreten, wenigstens dem äußern Anschein nach. Im stillenaber scheint doch ein Minieren stattgefunden zn haben, oder es müßteein Phrasenmachen zur Kaptivierung des kaiserlichen Hofs gewesen sein,wenn bereits im Anfange des 17. Jahrhunderts, z. B. unter dem 8. Ok-tober 1601, Leucht regelmäßig berichtet, daß die Arbeit der Kommissiontäglich mehr der christlichen (das will sagen: der katholischen) Religionzur Wohlfahrt und Aufbesserung gereiche. Offen hervor trat allerdingsdie Thätigkeit derselben nur in der Einsammlung der bewußten Frei-exemplare, betreffs welcher die Kommissare fast von Messe zu Messe inihren Berichten wiederholen, daß die Buchhändler sich der Ablieferungderselben nach Möglichkeit zu entziehen suchten; so noch am 24. Mai1610. Das, was davon zusammengebracht werden konnte, wurde ingrößern Sendungen durch Vermittelung von Buchhändlern an den kaiser-lichen Hof eingeschickt. In der Herbstmesse 1608 geschah dies z. B.durch Theodosius Rihcl von Straßburg ;Diese ferner geschriebenen Bücherseind Hans München, dem Fuhrmann, in einem Faß nachcr Prag zuführen und dem Herrn Vies-La-noellario, Herrn Leopolds von Straleu-dorff zil liffern mitgegeben und das Fuhrlohn darfür außgcricht worden",heißt es iu den wiener Akten. Später trat Christoph von der Heydeuan seine Stelle.

Die regelmäßigen Büchervisitationen hatten schon ein volles Biertel-jahrhundert lang aufgehört, als der Kaiser endlich wieder einmaldem