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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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636 Heranziehen des Sturmes. Neue Flut von Flugschriften. ^Zehntes

Buchhändler weder mit Beschlagnahmen noch mit sonstigen Strafenbehelligte.

Inzwischen mehrten sich von Tag zu Tage die Anzeichen des auf-steigenden Sturmes, der Deutschland für ein Menschen alter in seineWirbel reißen sollte. Mit dem Tode Rudolfs II. (1612) nahm diepolitische und religiöse Spannung immer schroffere Formen an. Bis indie untersten Schichten der Bevölkerung stieg die Aufregung. JedeWaffe galt zwischen den streitenden Parteien als recht: Spott und Hohn,Schimpf und Lüge. Bänkelsänger zogen durch das Land und boten inStädten und Dörfern, auf Messen und Jahrmärkten ihreDrei odervier neue Lieder, gedruckt in diesem Jahr" feil. So gab es kaum einEreignis der großen Politik, von der Einnahme von Donauwörth anbis zu den aachener Vorgängen des Jahres 1614, das nicht durch Presseund Gesang ins Volk getragen worden wäre. Allen diesen Erzeugnissender Parteiwut war selbstredend ein bitterer und gehässiger Grundtoneigen; in keinem von ihnen drang ein gutmütiger, milder Zug durch.-sie muten noch heute den Leser an, als ob die Gegner sich bereits mitden Waffen in der Hand gegenüberständen. In Frankfurt mischten sichdie Bücherkommissare sogar in die dem Rate zustehende Censur überdiese Art untergeordneter Litteratur ein und fahndeten auf die Bänkel-sänger. So hatte Leucht schon am 19. September 1611 den Bürger-meister aufgefordert, dein Unfug ein Ende zu machen, den etliche un-ruhige Personen mit dem Dichten und Absingen von ärgerlichen Famos-liedern und Schmähkarten auf den öffentlichen Plätzen der Stadt trieben.In solchen Liedern würden nicht allein der geistliche Stand, sondernauch die kaiserliche Majestät, andere hohe Potentaten und Reichsständcverkleinerlich uud zum schmählichsten angetastet, wie sie denn auch demReligionsfriede'n zuwiderliefen.Also gelanget an E. E. von Ampts-wegen mein dienstliches Suchen, Sie wollen durch Ihre Diener solchenicht allein alsbaldtt abschaffen, sondern auch die Dichter und Singermit gebührlichem Ernst und Strafe ansehen." Es waren allerdingsSchmählieder gegen den Papst, den Herzog von Bayer», die katholischeKirche, die Messe, die Beichte, die Jesuiten uud katholische Übergriffe,wie sie herausfordernder selbst in jener erregten Zeit nicht gedrucktworden waren; indessen erschienen sie auf der gegnerische» Seite nichtmilder, ja sogar noch gröber. Von diesen letzteren nahmen die Bücher-