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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
667
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Kapitel,!

Nutzlosigkeit der Gefügigkeit seitens deö Rats.

von Schweden vorstellend, bei den Buchhändlern Clemens de Jongheaus Amsterdam und HauS Hoffmaun aus Nürnberg zu konfiszieren, diebeiden Missethäter aber mit Geldstrafe und Gefängnis zu belegen, fandsich der Kaiser am 5. April 1659 dennoch wieder veranlaßt, den Rat aus-drücklich aufzufordern, dem Bücherkommissar Hörnigk in seinem Amtehilfreiche Hand zu leisten. Er, der Kaiser habe jetzt erfahren - verfügter am 20. März 1(560 weiter, daß der Rat wegen Vollziehung diesesBefehls verschiedene Bedenken gehabt hätte und sichüber die c^uMs;der Versperrung und Arrestirung eines oder andern Buchladmö zu in-quiriren augemaßet". Dadurch würden nur die ungehorsamen Buch-händler bestärkt und die Bücherkommissare in ihren Amtshandlungengehindert werden.Er, der Kaiser, befehle deßhalb ein für alle Maldem Rath, dem Bücher-Kommissar ohne Anmaßung cintziger Eognitionalte erfordernde und nothwendige Hülfe und Assistenz zu leisten."

Hornigk, der natürlich einseitige Berichte an die Hofburg gesandthatte, wußte jetzt, daß er sich fortau ungescheut gegen den Rat hervor-wagen und damit zugleich in Wien angenehm machen konnte und handeltedieser Erkenntnis entsprechend. Die erste Gelegenheit ergab sich sckonaus der Herbstmesse 1660;doch wnrde ihm auch diesmal noch der Erfolgdurch die ganz ungewöhnliche Energie des Rats vereitelt. Die konfes-sionellen Fehden der Geistlichen und Professoren der verschiedenen Be-teuntnisse wucherten zu jener Zeit ebenso schlimm, wenn nicht nochschlimmer, als vor dem'Dreißigjährigen Kriege. Lutheraner und Katho-liken wetteiferten miteiuauder iu geschmacklosen und rohen Angriffenund gaben sich in Gehässigkeit und im Schimpfeil nichts nach. Aufjeder Messe regnete es förmlich Kontroversschriften. Zur Herbstmesse1660 erschienen unter anderm eine katholische Schmähschrift:DasKohlschwartze Lutherthumb" von Laubenberger, die in Würzburg veröffentlicht war, und eine lutherische Gegenschrift Christian Kortholts:Schwarzes Papstthum", deren Verleger der Buchhändler Johann Lud-wig Neuenhahn in Jena war. Während Hörnigk jene unbeachtet ließ,wandte er seine ganze Aufmerksamkeit dieser alseinem gar zu famosenserixtuin" zu, drang in das Gewölbe Neuenhahns ein und nahm ohnevorherige Anzeige an den Rat eigenmächtig 150 dort vorgefundeneExemplare mit sich, ja muthete dem Rate zu, eine nachträgliche Haus-suchung vorzunehmen und ihm, Hörnigk, die etwa noch vorgefundenen