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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitels

Heftiger Konflikt des Rats mit Sperling 167«.

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über papierue Proteste ging er nicht mehr hinaus. Nur einmal kam eszwischen ihm und Sperling zu einem schärfern Konflikt, als endlich dasprotestantische Gewissen des Rats gegen des letztern shstematische Unter-drückung der protestantischen polemischen Litteratur, als angeblicherSchmähschriften, und gegen seine Beschützung der entsprechenden katho-lischen aufbäumte. In der Herbstmesse 1678 hatte der Rat 300 Exem-plare einer bei Johann Wiedenfeldts Erben in Köln erschienenen katholischenSchmähschrift:LxKsnasriclss oder kurtze Jahr- und Taggeschichte vonAufs- und Untergang des Lucherischen Ersten Lvangslii von G. W.Philo-Germano" konfisziert und den weiteren Vertrieb untersagt. Sper-ling war dreist und unverschämt genug, die Herausgabe der Exemplarezu verlangen; sie wurde verweigert, weil der Traktat lauter anzüglicheSchmähschriften und Sachen enthalte, es auch nach Reichskapitulationund Abschied jeder Ortsobrigkeit gebühre, dergleichen Scharteken zu ver-bieten und einzuziehen. Übrigens aber, und weil dem Herrn Lowwis-saric» mit Weitläufigkeit gedient sei, werde der Rat solches nicht alleindem kaiserlichen Reichshofrat, sondern auch den sämtlichen Ständen desReichs zu Regcnsburg hinterbringen. Obgleich das Pamphlet anonymerschienen und schon deshalb der Reichspreßordnung gemäß strafbar war,nahm Sperliug doch keinen Anstand, bei dem Kaiser unter dem 26. Fe-bruar 1679 bitter Beschwerde zu führen. Der Rat habe entgegen derkaiserlichen Bücherkommissiouganz vcrmesscnttich und höchst strafbar-lichst" das Buch konfisziert. Wenn nun die Konfiskation der Bücherdem kaiserlichen Bücheramt iwruscliats allzeit gebührt habe reichs-gesetzlich aber war sie Sache des Rats! auch der Rat vor vielenJahren und bis in die neueste Zeit antikatholische Schriften habe öffent-lich und unbeanstandet verkaufen lassen, so rufe er, Sperling, des KaisersHilfeknieend und in tiefster Demuth" an und bitte inständigst, denRat wegen begangenen höchst unverantwortlichen, freventlichsten Excessesabzustrafen und daß der Magistrat die konfiszierten Bücher alsbald indas Bücherkommissariat einliefere, dem Buchführer den erlittenen Scha-den vergüte und sich dergleichenExorbitanzen und freventlichster Atten-tate, so ihrer Gewohnheit nach sie sich gebrauchen, zu ewigen Zeitenenthalte nnd das kaiserliche Bücher-Coimnissariat unbeschimpft und un-molestirt lasse, per m-z.nclkttnru posna-Is anzubefehlen, und mors von-Kapp. i. 46