Kapitel.) Geheime Beeinflussung des sächsischen Hofes.
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LOllserviret- und dadurch dem höchstbeschwehrlichen Mißtrauen und Par-teylichkeit möglichst vorgekommen werden". Derartige zahme Remon-strationen hatten natürlich keinen Eindruck zu machen vermocht.
Diesmal ging das Corpus LvauZsIioorum, energischer und vor allenDingen wunderbar schnell vor. Vielleicht bot dazu der Umstand den An-laß, daß um dieselbe Zeit verschiedene protestantische Reichsstände seitensdes kaiserlichen Hofes mit mehr oder weniger scharf gehaltenen Beschwer-den über mangelhaft gehandhabte Censur und Anschwellen der Famos-Litteratur direkt behelligt wurden; im Jahre 1681 geschah dies förmlichsystematisch. Genug, schon am 22. April 1679 ging die Beschwerdenach Wien ab; es wurde darin ein energisches Vorgehen des kaiserlichenFiskals gegen Johann Wiedenfeldts Erben auf Grund der Reichskon-stitutionen verlangt: neben empfindlicher Strafe, Untersagung des Be-triebs der Buchdruckerei und des Buchhandels, und zwar um so mehr,als es verlaute, daß ein Neudruck des betreffenden Werkes beabsichtigtwerde. Und noch mehr; jedenfalls gewitzigt durch die schon gedachtenBehelligungen, erhoffen die Evangelischen Stände diesmal vom Kaiser,er werde auch an seinen „Büchcr-Lommissarium zu Franckfurt ernstlichrssoridiren, daß er weder die Stadt Franckfurt, noch einigen Neichs-Stand und Obrigkeit an Vollziehung dessen, was ihr ^jnrs 8t,3,tu8 ettörritoi-isli gebühret, und die Reichs-Lov8titnt,ivnen, wie auch Policey-Ordnung wegen dergleichen (üonüsoirung erfordern, nicht hindern, son-dern vielmehr der Reichs-Ständen ihre disfalls habenden ^'ura unange-fochten lassen werde".
Bei den Verhandlungen innerhalb des <üc>rxn8 Lva-nZeliooruillscheint leider Kursachsen eine etwas zweideutige, jedenfalls ebenso wie inden Jahren 1608 und 1609 eine schwächliche Rolle gespielt zn haben.War es Deferenz gegen den kaiserlichen Hof, oder war es Ausflußeiner Politik, die vielleicht die Schädigung der frankfurter Büchermesseim Interesse der leipziger gern sah, genug, Kursachsen hätte allem An-schein nach das Zustandekommen der gemeinsamen Beschwerde gar zugern verhindert, wenigstens seine Unterschrift versagt. Interessante An-deutungen gibt hierüber ein an den Kaiser gerichteter Brief eines AbtesOtto — wer er war und was er in Dresden zu suchen hatte, ist nichtersichtlich —, datiert vou da am 6. Juni 1679. Otto berichtet, daßdie sämtlichen protestierenden Stände beschlossen hätten, durch „Gcmein-
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