146 ö. Kapitel: Die Gründung des Börsenvcreins der Deutschen Buchhändler,
Ecken und Enden Deutschlands ein einziger Schrei des Hohns und derErbitterung. 16 Prozent, das sei ja so wie so schon viel zu viel undin der „Provinz" niemals üblich gewesen und gar nicht möglich!Krieger in Marburg schreibt: von den Auswärtigen werde sich so langekeiner verbindlich machen, bis nicht auch ihnen „franco und srcy"ins Haus geliefert werde wie den Leipzigern, und Löflund in Stuttgart :„Würden die Leipziger Buchhändler Fracht und alle übrigen Unkostentragen müßcn, wie wir Auswärtige thun, so würde ihnen das Nabbat-gcben vergehen!" Aber auch dcu Berlinern graute vor einer offiziellen„Herabsetzung" des Kundcnrabatts, wie die Leipziger ihn vorschlugen.Mit eifriger Wichtigkeit schreibt Kummer an Ritter in Berlin (NicolaischeBuchhandlung), er fürchte, es werde in Berlin schwer halten, die Herrenunter einen Hut zu bringen, es komme aber alles darauf an, daß Berlin dem Leipziger Vertrage beiträte, denn andernfalls müßten auch die Leip-ziger zurücktreten. Gewiß hatte Berlin seine Schleudercr. Bei Darn-mann in Lüttichau erkundigte sich z. B. ein Privatmann, auf wievielRabatt er bei einer jährlichen Entnahme von Büchern im Werte vonlöO Rthlrn. rechnen könne; von Berlin aus seien ihm bereits 25"/,,angeboten worden. Es waren fast sämtlich Leute, die von den Berliner Buchhändlern nicht als voll angesehen wurden — Späthcn, Laugier,Hasselbcrg, Lüderitz u. a., im ganzen werden über ein Dutzend namhaftgemacht —, und mit denen einige sogar die Rechnung aufgehoben hatten,wobei ein Bedenken der Schüppclschcn Buchhandlung nicht ohne Interesseist, die bemerkt, es möchte doch wohl geratener sein, statt Büchertrödlcrund Antiquare nicht beachten zu wollen, sodaß sie ihr Geschäft nach Be-lieben betreiben könnten, den Barverkauf gangbarer Artikel zu erhöhtemRabatt abzuschaffen, jene Elemente aber gerade als Buchhändler anzu-erkenucn und zu verpflichte». Weiter war für Berlin der Postbuchhandcl„ein Brennpunkt" der Äundcnrabattfrage, eine seiner Quellen, die zumTeil sogar als die wichtigste angegeben wird. Im achtzehnten Jahr-hundert hatte bei den Postämtern nur ein Verkehr mit Zeitungen undeinigen Journalen bestanden; je mehr aber die Zeitschriften sich aus-dehnten, um so mehr Quellen suchten sich die Verleger für den Absatzdurch die Postämter zu eröffnen; bald wurden auch die Taschenbücherund Kalender in die Hände der Postoffizianten geliefert, und endlichmaßten sie sich einen allgemeinen Verkehr mit Werken der gesamten