Z?6 1v. Kapitel: Die Reformbewegung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.
Dccentralisation Deutschlands , wie das im 18. Jahrhundert schon Pütter,Bensen u. a. darzuthun sich bemüht hatten. Die nach Zahl, Preis undAssimilation der geistigen Nahruugsstoffc gleichmäßige Durchflutung desganzen wirtschaftlich-geistigen Organismus war das Bildungsgesetz dieserOrganisation, deren Centrcn leiten sollten, ohne daß die Glieder leidendurften. Daß von den Centren Wirkuugeu ausgingen, die der übrigeKörper als störend empfand, zeigte sich zuerst zu Beginn des 18. Jahr-hunderts, damals, als der zweite Cotta den Satz schrieb: „Bei denLeipzigern heißt es: wir Habens Recht und Macht allein, wer ists deruns solt meistern". Zu Ausgang des 18. Jahrhunderts dann gab eseine weitverbreitete pessimistische Buchhandclsphilosophic, die in Leipzig den Grund zum Untergang des deutschen Buchhandels und zum Nuiuder littcrarischcn Kultur Deutschlands erblickte. Bon Cotta an bis zuBensen, der jene letzter» Ansichten am ausführlichsten entwickelt hat,handelte es sich aber dabei um Fragen des Geschäftsverkehrs, umFragen, die mit der Übcrbrückung der Kluft zwischen Tausch- und Netto-handel durch das Kouditionssystem ihre Erledigung fanden. Anders imHorvath-Göschcnschen Ncformversuch. Auch hier spielte das erbitterteRingen des den: Untergänge geweihten Tauschhandels gegen eine neneOrdnung der Dinge seine Nolle, aber was die Stellung der Central-plütze betrifft, so handelte es sich hier schon um eine zum Schaden desProvinzialbuchhandels erfolgende Ausdehnung ihres Wirtschaftsraums,mit der jener nicht Schritt halten konnte. „Wenn die Buchhändler zuBerlin ganz allein von ihrem Dcbit in dieser sonst großen Residenzstadtleben sollten, so würden sie sehr bald zu Grunde gehen", hieß es schonim „Schattenriß von Berlin", Amsterdam sBerlin^ 1788, und das galtja im allgemeinen schließlich von jedem Platz. Aber in Plätzen wieBerlin oder Leipzig wurde jene Ausdehnung in besonderem Maße ein-mal durch Kräfte allgemein wirtschaftsgcschichtlichcr Natnr unterstützt.Nach dieser Seite war ihre Zeit damals noch nicht herbeigekommen.Sic hatte ferner zweitens besondere vuchhanoelsorganisatorische Voraus-setzungen, die sich, soweit sie in Dauererscheinungen bestanden, dann späterder Mittel jener allgemeinen Entwicklung bemächtigen uud so von doppelterBedeutung werden sollten, und vor dein Eintritt dieser Voraussetzungenin der Geschichte der Ncformbcwcgung stehen wir hier. Sic sind unsaus der Geschichte jenes Rcformvcrsuchs bekannt: es waren vor allem die