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12. Kapitel: Dic Reformbewegung bis 1889.
des Buchhandels die Schleudere! mit Erfolg zu bekämpfen im Standesein konnte, Emil Strauß , bis dahin der klassische Vertreter gegen dieReformideen gerichteter Kräfte, sich der Ncformbewcgung anschloß. Undunter der Führung von Bernhard Hartmann in Elberfeld , M. Jacobiin Aachen und Emil Strauß unternahm es der rheinisch-westfälischeKreisvercin — ausdrücklich und mit warmer Begeisterung an die „Väter"erinnernd, von denen die Bahnen vorgezcichnct seien —, den deutschenBuchhandel über die von Kröner vorläufig angeratenen Grenzen hinaus-zuführen. Es handelte sich um den Kröncrschcn Grundsatz, die Bemes-sung der Nabatthöhe in dic Hände der Vereine selbst zu legen. Derrheinisch-westfälische Verein ging direkt aus das Ziel los, an Stelle desin seiner Höhe von den Vereinen nach eigenem Gutbcfinden festgesetztenverschiedenartigen Kundcnrabatts mit einem Schlage ein vom Börsen-Verein garantiertes, für den ganzen deutschen Buchhandel gleiches,müßiges Barskonto zu setzen; die gänzliche Abschaffung des Rabattsblieb dahinter das Ziel in weiterer Ferne. Er begann seine Tätigkeitim eigenen VercinSgebiete, mit Kühnheit und Opfermut: unbekümmertdarum, ob seine Mitglieder zunächst in einzelnen Fällen der auswärtigenKonkurrenz gegenüber in eine ungünstige Lage versetzt werden könnten.Der Grund wurde gelegt in der Versammlung der Buchhändler vonAachen, Barmen, Elberfeld, Bonn, Düsseldorf und Köln am 29. Juni1886 zu Köln . Man beschloß: „Als höchster zulässiger Rabatt darfdem Privat-Publikum vom 1. Januar 1887 an 5 "/„ gegeben werdennur bei Barzahlung und solchen halbjährlichen Rechnungen, welche inner-halb vier Wochen nach Empfang bezahlt werden. Jeder Rabatt aufZeitschriften ist ausgeschlossen." Der Beschluß war unterzeichnet von30 Buchhändlern; Bernhard Hartmann in Elberfeld , M. Jacobi inAachen, Emil Strauß in Bonn waren dic Führer. Eine „ständigeKommission zur Ausführung der Rabattübercinkunft in Rheinland undWestphalen" wurde niedergesetzt, denen die drei Genannten, Jacobi alsVorsitzender, der rastlose Bernhard Hartmann als Schriftführer, an-gehörten. Sie „bearbeitete" eine Stadt nach der andern im einzelnen,überalt darauf ausgehend, die Buchhändler der größeren Städte, immervollzählig, durch eigenhändige Unterschrift an das Programm zu binden;sie erzielte in vielen Fällen die Begründung von Lokalvereinen undGauvcrbänden, iu ihnen wieder erfolgreiche Vorkämpfer findend, so wie