; """ILLE Nationalökonomie als Lehre wie Schriftstellerei ist Wirt-
j /\ i schaftsWissenschaft oder Wirtschaftspolitik. Mitj /—\ : Recht fordert man scharfe und bewußte Trennung beider
: Gebiete. Vermengung mit Politik verfälscht die Wissen-■ ■■■■■■■■■■■■■ ■ *—
schaft: wissenschaftliche Interessenvertretung? Der Schein unpersön-licher Wissenschaftlichkeit entmannt den stets persönlichen Willenzur Politik: Politik zwischen den Zeilen? Wir hoffen nicht mehr mitRoscher, durch volkswirtschaftliche Erkenntnis die politischen Partei-zwiste zu versöhnen, und wir lehnen mit Prince Smith zwar „unwissen-schaftliche Sonderinteressen" ab, wissen aber sehr wohl, daß die Wahr-nehmung des Allgemeininteresses nicht wissenschaftlicher wäre. DieWirtschafts Wissenschaft kennt keine andere Göttin als dieWahrheit. Sie hat weder das Privatinteresse der Unternehmer, nochdas der Arbeiter, noch das „Gemeinwohl" zu fördern; sie hat nicht zuklagen, nicht zu lohen, sondern lediglich das, was ist, festzustellen undkausal zu erklären. Die Wirtschaftspolitik dagegen mißt das Sein anoffen auszusprechenden Werten und sucht es, so weit an ihr liegt, zu„bessern".
I. Begriff der Wirtschaftswissenschaft.
a) Die Wirtschaftswissenschaft ist Kultur wisse n-s c h a f t in dem heute üblich gewordenen Windelband-RickertschenSprachgebrauch. Er wurzelt in der Kantschen Unterscheidung derNatur als dem Reiche allgemeingültiger, letzthin mathematischformulierbarer Gesetze und der Menschheit (Gattung) als demeinmaligen Reiche der Zwecke. Dort wertneutraler Naturmechanis-mus —, hier wertverwirklichender Fortschritt der Geschichte; dortNewton — hier Fichte. Als Kulturwissenschaft hat die Wirtschafts-wissenschaft einen teleologischen Ausgangspunkt, in-sofern sie nach einem Wertgesichtspunkt ihr Gebiet absteckt, wassehr wohl vereinbar ist mit einer rein kausalen, völlig wertfreien Be-handlung ihrer Gegenstände. Man scheide scharf zwischen Zweck alsAuswahlprinzip des erkennenden Subjekts und Zweck als psycho-logischer Tatsache im handelnden Objekt — beides wohl vereinbarmit rein kausaler Wissenschaft, die lediglich den Zweck als metaphy-sische, hinter den Dingen wirkende „Zweckursache" ablehnt.