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'Wirtschaftswissenschaft?' / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Schulze-Gaevernilz,

die Umgestaltung der sozialen Verhältnisse, sondern ihre Verwendungim Lohnvertrag.

Unter Wirtschaftswissenschaft im engeren Sinn,V olkswirt-schaftswissenschaft" (Sozial- oder National-ökonomie) verstehen wir demnach die Wissenschaft vonder Unterwerfung der äußeren Natur unter dieZwecke der Gesellschaft mit gesellschaftlichenMitteln.

Das sogenannte Prinzip der Wirtschaftlichkeitgrößter Erfolg mit kleinstem Mittel hat demgegenüber mit derBestimmung des Begriffs unserer Wissenschaft nicht das mindeste zutun. Es ist nach Dietzel dasVernunftprinzip jeder zweckmäßigenHandlung" und gilt als solches weit über das Wirtschaftsgebiet hinausetwa vom Betriebe jeder Wissenschaft. Es gilt beispielsweise auch vomBetriebe unserer deutschen Nationalökonomie: Während wir Lehrervon heute mühselige Autodidakten sind, führen wir unsere Schülerdurch Seminare, Proseminare, Examinatorien und Spezialvorlesungenaller Art unter erheblicher Kraftersparnisspielend" zu dem, was wirauf Irr- und Umwegen erreichten wir führen sie damit zu der Einsicht,daß unsere Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckt und zudem Entschluß um so kräftigeren Vorstoßes ins Reich des Unbekanntenweit über uns Lehrer hinaus. Anderseits deckt d v as Prinzip der Wirt-schaftlichkeit nicht entfernt das gesamte wirtschaftliche Dasein derMenschheit; sonst wäre die primitive und mittelalterliche Wirtschaftunserer Wissenschaft entzogen, da nicht der homo oeconomicus, sonderneinVorwirtschaftsmensch" diese breitesten Gefilde alles Wirtschafts-lebens beherrscht. Ebensowenig hat das Prinzip der Wirtschaftlichkeitmit dem Begriff der Technik etwas zu tun: Jahrtausende hindurchhat der Mensch dieTechnik" der Dreifelderwirtschaft betrieben, nichtum den größten Erfolg mit den geringsten Mitteln zu erzielen, sondernweil erdie Gewohnheit seine Amme" nannte!

II. Die Methoden der Wirtschaftswissenschaft.

Die menschliche Wirtschaft ist eine einmalige, durch ihren Kultur-zweck zur Einheit zusammengebundene Tatsache wie die Gesellschaftselbst eine historische Erscheinung erster Ordnung, die ihresgleichenauf diesem Globus nicht gehabt hat und nicht haben wird. Wir er-fassen sie zunächst und unmittelbar auf dem Wege der Geschichts-forschung. Was immer wir von derWirtschaftstheorie" halten:die breite Masse alles wirtschaftlichen Seins ist nurhistorisch zu erfassen. Die Wirtschaftsgeschichte beginnt dort,wo der Kampf mit der Natur den Zwecken der Gesellschaft dient und