„ W irtschaftswissenschaft ?"
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liehe Rechtsschutz hält das Streben nach Gewinn auf dem Bodendes „friedlichen" Wettbewerbs. Wo Reichtum ein Ergebnis der Be-raubung ist, wo z. B. der Germane mit Schweiß zu erwerben verachtet,was mit Blut erworben werden kann, wo der Feudale „aus dem Sattellebt" und die Pfeffersäcke beraubt, statt selber Pfeffersäcke auf denMarkt zu bringen, da gibt es kein Gesetz der Preisbildung. Die Whigs er-klärten, Bankwesen sei unvereinbar mit der Monarchie — einer Monarchiewie die der Stuarts , die da ernteten, wo sie nicht gesät hatten, dieinsbesondere Depositen sich aneigneten, wo sie sie fanden, b) DieRechenkunst ist durch Einführung des arabischen Ziffern-systems fortgeschritten genug, um Buchhaltung und Bilanzierung zuermöglichen. Der mittelalterliche Mensch „verrechnet" sich grund-sätzlich und kann es schon um deswillen nicht zur vollen Rechenhaftig-keit bringen, c) An Stelle der rein persönlichen Wertschätzungen istein gesellschaftlicher Wert getreten innerhalb einer mehroder minder großen „Bewertungsgesellschaft". Dieser Wert ist quanti-fiziert. Das Geld ist allgemeiner Wertmesser. Daspersönliche Verhältnis des Einzelnen zum einzelnen Gut ist immerindividuell; der Geschmack und Sättigungsgrad ist verschieden.Erst das Geld ermöglicht die Übersetzung des Gewinnstrebens insZiffernmäßige, damit in das Unbegrenzte und Vergleichbare: „Ameri-kanismus". „Der Gegenstand ist hier gewissermaßen ganz durchseinen Preis ersetzt worden; er genießt genau die Achtung, die seinemMarktwert entspricht und kann durch jeden anderen, der denselbenMarktpreis hat, ersetzt werden" (Simmel). d) Der Wirtschafter istgeistesgeschichtlich zur Arbeit und in gewissem Grade auch zurWahrheit erzogen, während der Feudale - grundsätzlich faullenztund der Frühhändler grundsätzlich betrügt. Der Wirtschaftsmenschder Klassiker dient dem „Geschäft", statt zu genießen: „Der frugaleUnternehmer" mit dem „guten Gewissen des Reichtums" (Max Weber ).Ohne diese Pflichtmäßigkeit schlägt der Wirtschaftsmensch nur zuschnell in den Rentner um; er wird zum Sportsmann oder Ästheten.Der Sklave der Buchbilanz rebelliert und liebäugelt mit der Halbweltdes Rentnerstaates. Nicht minder beruht der Wirtschaftsmensch aufeiner gewissen Pflicht zur Wahrheit. Die Lüge erschien den homeri-schen Göttern und den jüdischen Erzvätern als „läßliche Sünde" undist auf primitiven Gesellschaftsstufen sozial ungefährlich, ja vielleichtzur Gewinnung priesterlicher Kulturmuße nützlich. Das wirtschaft-liche Leben steht auf einfachen Tatsachen, von denen jeder die richtigeAnsicht gewinnen kann. Dagegen ist ein g e w i s s e s Maß von Wahr-heit die Voraussetzung jeder höheren Verfeinerung des Wirtschafts-lebens. Die Lüge als ein „geistiges Faustrecht", brutal wie dieses,