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17. Jahrhundert aufstieg und in Amerika ihren Höhepunkt er-reichte." „Es ist der Ruhm Amerikas, und zwar nichtder calvinistischen Pilgrimväter, sondern der von ihnen verfolgtenBaptisten und Quäker, als erstes von allen LändernFreiheit und Demokratie, so wie wir sie heute ver-stehen, aus der Welt der Forderungen und Programme in dieWelt der politischen Tatsachen übergeführt zu
haben Hier erstand der freie Bürger im freien Staat
und Washington folgte nur dieser Linie als er den freien Staat durcheine Föderation freier Staaten sicherte. Diese Gedanken arbeiteten,sehr zu unseren Ungunsten, noch während des Weltkrieges in deramerikanischen Volksseele. Sie entnahm ihren Schwung dem wennauch irrigen Glauben, es gelte die Welt für die Demokratie sicherzu machen."
Es ist erklärlich, daß sich um einen Gelehrten und Forschervon der Tiefe und Vielseitigkeit eines Schulze Gaevernitz einegroße Reihe von Schülern und Anhängern schart, dieseine Gedanken in ihren Schriften weiter vertiefen oder als Politikersich von ihnen beeinflussen lassen, die aber ihrerseits dem Meisterund Lehrer manche Anregung bringen. Voran unter diesen Freundensteht Friedrich Naumann. Ursprünglich Sozialist christlicherFärbung und kirchlich positiv unter dem Einflüsse von Wichern undStöcker, vollzieht er in den 90er Jahren seine entscheidende Wendungzum Liberalismus. Schulze Gaevernitz hatte bereits auf der Tagungdes Nationalsozialen Vereins zu Darmstadt 1898 die Verschmel-zungderNaumannschenBewegungmit der von TheodorBarth geleiteten Freisinnigen Vereinigung gefordert. DieseVerbindung wurde bald darauf vollzogen, und auf diesem Bodensteigt Naumann „schrittweise auf bis zum anerkannten und begeistertverehrten Führer der gesamten deutschen Demokratie". Das Tele-gramm, in dem Naumann die Verschmelzung mit der FreisinnigenVereinigung dem Abgeordneten Barth nahelegt, wird im August1903 von Schulze Gaevernitz und Naumann gemeinsam im Gartendes Rebhauses in Freiburg verfaßt. Hand in Hand hiermit gehtNaumanns Abwendung von dem positiven Kirchentum und seineZuwendung zum deutschen Idealismus. Naumann istSchulze Gaevernitz' alljährlicher Gast in Crainsdorf, während derSommerferien können sich die beiden Freunde eingehend über Welt-anschauungs- und politische Fragen besprechen. Diese Unter-redungen finden zum Teil ihren Niederschlag in einer Reihe vonAufsätzen, die Schulze Gaevernitz in der „Hilfe" veröffentlichte, z. B.in seinen „Randbemerkungen zum deutschen Idealis-mus" (Hilfe vom 11. November und 9. Dezember 1906), in „KantsDu sollst im Zeitalter des Kapitalismus" (Hilfe Nr. 11913) und in „D erUnsterblich keitsglaube Goethes undKants" (Hilfe 1913, Nr. 44 und 45).
Neben dem Vorkämpfer christlicher Ethik ist esLudwigFran k,der Jude und Sozialdemokrat, der als Schüler und Freund im GeisteSchulze Gaevernitz' wirkt. Er gehörte zu den ersten Doktoranden,die unter Schulze Gaevernitz in Freiburg promovierten. Der Sohn des