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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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G. v. Schulz e-Gaevernitz, Die deutsche Kreditbank.

I

also unbrauchbaren Begriffen. Aller Wirtschaftshistorie zum Trotz müssen wir kühngenug sein, Begriffe zu bilden, welche für die Gegenwart allein gelten. Dies giltauch vom Begriffe derBank ".

Unter ,,B a n k" wurde von der älteren deutschen Literatur, Büsch, R a u,Lötz 1 ), ein öffentliches Unternehmen zur Erleichterungdes Zahlungsverkehrs verstanden, insbesondere ein Mittel zur Ersparnisder Hartgeldzahlung. In klarer Weise unterscheidet dementsprechend R a u: Giro-und Notenbanken. Aber jenes Giro und jene Note, wie sie einem R a u als Idealvorschwebten, mit voll metallischer Deckung, fallen für uns aus dem Begriffe desBankwesens heraus. EineBank " in unserem Sinne entsteht erst dort, wo dieZahlungserleichterung zum Mittel wird, um fremde Kapitalien anzuziehen und mitZinsgewinn weiter auszuleihen. Für Deutschland liegt dieser Uebergang in derersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Volkswirtschaftliche Funktion wirdnunmehr die Ansammlung mehr oder minder dauerhafter Einlagen und ihre Weiter-gabe an den Großbetrieb der Gegenwart, welcher von vornherein die Eigenkräfteprivater Gelddarleiher übersteigt.

Unter solchen Großbetrieben steht der moderne Staat voran, daneben dieGroßindustrie und das Verkehrswesen, besonders Hüttenwerke und Eisen-bahnen. Der schriftstellernde Chor beklagt diesen Fortgang im Drama zunächstalsIrrweg".Der Glaube an die Sicherheit der Bank bleibt nicht stets uner-schüttert, der leiseste Zweifel kann das Schneekörnchen sein, welches die Lawineauslöst. Damit entstehen Kreditkrisen, und die Banken vermehren die Schwankungendes Wirtschaftslebens" 2 ). Eine solche Befürchtung scheint nur zu gerechtfertigt.Nicht nur, daß die Banken kurzfristige Einlagen langfristig in Staatskredit undHypotheken anlegen; sie verwenden sie auch zur Eigenspekulation und schaffenin Aktien und Noten neue Spekulationsobjekte; sie scheinen die dünn fließendenKapitalbächlein, nach denen das produktive Feld lechzt, in das Sumpfland derSpekulation abzuleiten. Erst in den fünfziger Jahren wird der neugebildete Tat-bestand mit dem Stempel der Legitimität versehen ein Verdienst vor allem desjugendlichen Ad. Wagner, der die Bank für ein privates Erwerbsunternehmenwie jedes andere erklärte 3 ). Aber dieser Schriftsteller behandelte noch das Eigen-kapital der Bank und ihre fremden Gelder als gleichwertig, bis Hildebrand dasaktive und passive Kreditgeschäft in ihrer wechselseitigen Ergänzung scharf gegen-überstellte 4 ).

Diese literarische Entwicklung vollzieht sich an der Hand englischer Schrift-steller in ähnlicher Weise, wie damals Deutschland zu der entwickelteren Bank-praxis Englands bewundernd aufblickte.

Seitdem besteht für uns das Wesen der Bank in Kreditvermittlung.Man scheide innerhalb der Gütervermittlung (Zirkulationsprozeß) die Sacligüter-vermittlung und die Kreditvermittlung: Handel und Bankwesen. Der Begriff derBank wird damit abhängig vom Begriff des Kredits. In Fortbildung Komor-zynskis 5 ) setze ich das Wesen des Kredits in die Abspaltung des abstraktenVermögenswertes eines Gutes von der wirtschaftlichen Verfügung über das konkreteGut selbst. Ersteren behält sich der Kreditgeber vor, letztere fällt dem Kreditnehmerzu. Die juristische Form: Forderung des Kreditgebers, Eigentum des Kredit-

*) Büsch, Abhandlung von den Banken. § 1 ff. K- H. R a u , Grundsätze der Volks-wirtschaftslehre. Heidelberg 1826. § 304. Aehnlich J. F. E. Lötz, Handbuch der Staats-wirtschaftslehre. Erlangen 1821/22. § 115/116, S. 374 ff.

2 ) M. N i e b u h r , Bankrevolution und Bankreform. Berlin 1846. S. 33/34.

3 ) Ad. Wagner, Beiträge zur Lehre von den Banken. Leipzig 1857. S. 30 ff. O. Hübner ,Die Banken. Leipzig 1854. I. S. 28.

4 ) Hildebrands Jahrbücher f. Nationalök. und Statistik, Bd. VIII. S. 127 ff. Jena1867. Das Chequesystem und das Clearinghouse in London .

6 ) Komorzynski, Die nationalökonomische Lehre vom Kredit. Innsbruck 1909.W. Lötz, Wesen des Kredits, in der Festgabe für R i e ß e r. Berlin , Guttentag. 1913.