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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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14 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. I

als kurzfällige Verpflichtungen die Summe der Kreditoren, Akzepte und De-positen, als liquide Mittel Kasse, Reports, Lombards, Wechsel, Effekten, da-gegen nicht Debitoren. Man entschuldigt die offenkundigen Mängel dieser Rech-nung damit, daß die Fehler bis zu einem gewissen Grade sich ausgleichen, dasie zugunsten wie zu Ungunsten der Liquidität begangen sind. Man hofft,letztere wenigstens nicht zu überschätzen. In der Tat: Nicht alle Akzepte (fürwelche meist Deckung vor Verfall eintritt), nicht alle Kreditoren bedeuten sofortfällige Verbindlichkeiten. Ein Teil der Debitoren ist als liquid zu betrachten.So gelang es der Deutschen Bank, zwischen dem 31. August und dem 31. Oktober1911 ihre Debitoren um 44 Millionen M. zu vermindern. Diejenigen Schrift-steller, welche mit obiger Rechnungsmethode wirtschaften, kommen mit Ab-weichungen im einzelnen zu einem Liquiditätsgrad der deutschen Kreditbankenvon 5070 % Eine verbesserte Methode teilt die leicht greifbaren Mittel in solcheerster und zweiter Ordnung. Zu jenen zählen Kasse, Koupons, Sorten, Bankgut-haben und Wechsel, zu diesen Lombarddarlehen, Reports und Vorschüsse auf Waren.Ein Vergleich des Anteils der leicht greifbaren Mittel erster Ordnung mit den Ge-samtaktiven ergab 1908 bei den Berliner Großbanken ein Verhältnis von fast 30%,dagegen bei den deutschen Kleinbanken (mit einem Kapital von 2,5 Millionenabwärts) nur etwa 20% *). Schär versucht die Liquiditätsberechnung durch einegenauere Gegenüberstellung von Aktiven und Passiven nach Fälligkeitsschichtenzu vertiefen 2 ). Voraussetzung für eine brauchbare Liquiditätsberechnung sindvergleichbare Bilanzen. Alle derartigen Berechnungen litten bisher an der Verschie-denartigkeit der Bilanzierungs- und Buchhaltungsgrundsätze in den einzelnen Be-trieben. Erst auf Grund des einheitlichen Bilanzschemas von 1912 scheint esmöglich zu sein, etwas weiter vorzudringen. Fleischmann berücksichtigtals sofort fällige Verpflichtungen nur Einlagen und Kreditoren von sofortiger Fälligkeit,oder mit einer Kündigungsfrist von weniger als 7 Tagen und bringt von Akzeptendie eigenen Akzepte in Abzug; auf der anderen Seite sondert er auch manchenilliquiden Bestandteil aus den flüssigen Aktiven aus, z. B. aus dem Wechselbestandedie eigenen Akzepte, die eigenen Ziehungen und die Solawechsel der Kunden andie Order der Bank. Entsprechend der Ausscheidung der länger befristeten Kre-ditoren läßt er auf der Seite der flüssigen Mittel erster Ordnung Reports und Lombardsaußer Ansatz. Das Ergebnis dieser Liquiditätsberechnung ist erheblich günstigerals das der bisherigen Methode. Die sofort fälligen Verbindlichkeiten waren für dieBerliner Großbanken auf Grund der Ausweise für 1912 durch flüssige Mittel erstenRanges zu 43,9%, durch flüssige Mittel überhaupt zu 87,1% gedeckt, wogegen die alteMethode 33,3% bzw. 43,9% ergibt. DerPraktiker" begnügt sich nach R i e ß e r 3 )vielfach damit, daß x / 3 sämtlicher Verpflichtungen mit liquiden Mitteln erstenRanges: Kasse, Bankguthaben, Reports und Wechseln, gedeckt ist ein Ver-hältnis, das in praxi weder überall erreicht wird, noch für die Liquiditätin allen Fällenausreicht.

Das Ergebnis der verschiedenartigen Liquiditätsberechnungen einer umfang-reichen Literatur möchte ich dahin zusammenfassen: Die privatwirtschaftlicheLiquidität der deutschen Kreditbanken ist zurzeitkeine ungünstige" 4 ), wennauch eine in dem Jahrzehnt von 1890 zu 1910 verschlechterte übrigens auch eine

0 Litefatürangaben in der Bankenquete 1908/09. Materialien zur Frage des Depositen-wesens, Punkt Vi des Fragebogens. S. 134, 143 ff. Berlin 1910. Vgl. auch Heinemannin Conrads Jahrbüchern. 3. F. Bd. 20. S. 90. Jena 1900. Koppel im Plutus v. 26. Mai 1906.Frankf. Zeitung Nr. 93 v. 1. IV. 1907. Deutscher Oekonomist v. 23. XI. 1907. S. 561. v.Luram,Bankarchiv v. 15. III. 1912. S. 182.

2 ) Schär, Die Bank im Dienste des Kaufmanns. Leipzig 1909. S. 13.

3 ) J. Rieß er, Großbanken, 4. Aufl. Jena 1912. S. 165.

*) Einevorzügliche"? Vgl. Meitzer, Das Depositenwesen Deutschlands . Jena1912. S. 70.