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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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G. v. Schulz e-Gaevernitz, Die deutsche Kreditbank.

I

ausführliche, nach einheitlichen Gesichtspunkten angefertigte, in kurzen Zwischen-räumen erscheinende Bankbilanzen erst den mitsanftem Zwang" durchgeführtenBemühungen der Reichsbank: Bilanzschema vom 1. Januar 1912.Nachdem die Berliner Großbanken bis auf eine Ausnahme sich der Vereinbarungangeschlossen, sind zahlreiche Provinzbanken gefolgt *). Ein gesetzlicher Zwangzur Annahme dieses Schemas wäre nicht ausgeschlossen. Im einzelnen: Aus demWechselbestand wurden mit Becht eigene Akzepte, eigene Ziehungen und Sola-wechsel der Bankkunden ausgeschieden. Sie sind nichts anderes als wechsel-rechtlich gesicherte, möglicherweise ganz illiquide Debitoren, während das eigent-liche Wechselportefeuille rediskontabel ist und sich damit durch besondere Liqui-dität auszeichnet. Verbesserungen des Bilanzschemas sind sehr wohl denkbar.Insbesondere wären die Debitoren dieser wichtigste Aktivposten nach ihrerHöhe zu gliedern und die ganz großen individuell aufzuführen, da wenige großeDebitoren besonders gefährlich sein dürften. Verdunkelt wird die Bilanzklarheitauch durch das weit verbreitete System derstillen Reserven", wodurch Verlusteverschleiert und hohe Scheingewinne in schlechten Jahren ermöglicht werdenkönnen. Trotzdem sind die erzielten Fortschritte hoch zu veranschlagen.

Dagegen machte die Reformarbeit der Reichsbank Halt vor der Gewinn-und Verlustrechnung. Sie ist nach wie vor unübersichtlich und ver-sagt z. B. die Antwort auf wichtige Fragen: Wie setzt sich der Zinsertrag zu-sammen ? Ist das Effektenkonto zugunsten des Zinskontos vorweg belastet worden ?Wie viel vom Effektengewinn geht auf Kommissionen, wie viel auf Kursgewinn ?Wie viel vom Effektengewinn ist auf notleidende Effekten abgeschrieben worden?Die Gewinn- und Verlustrechnung wird weiter verwirrt durch die noch viel ver-breitete Form der sog.Verteilungsbilanz", welche den Gewinn vorweg verteilt,statt ihn als einen einheitlichen Posten aufzuweisen.

Die Geschäftsberichte unserer Banken enthalten mehr oder mindergeistvolle Bemerkungen über die allgemeine Wirtschaftslage, geben aber seltenAntwort auf folgende Fragen: Welche EinZahlungsverpflichtungen ruhen auf denKonsortialbeständen, auf nicht volleingezahlten Aktien, auf zubußepflichtigenKuxen ? Wie viel von den eigenen Effekten hat die Bank etwa weiter lombardiert ?Wie hoch sind die Eventualverpflichtungen aus Wechselgiro?

Schließlich: Will man zu wirklich vergleichbaren Bilanzen gelangen, so wird manordnend und vereinheitlichend auch auf das Gebiet der Bankbuchhaltungübergreifen müssen. Die Einheitlichkeit der Bilanz ist nur eine scheinbare, solangederselbe geschäftliche Vorgang in den verschiedenen Betrieben nach verschiedenenGrundsätzen gebucht wird 2 ).

Aber Bilanzen wie Geschäftsberichte nützen der Oeffentlichkeit wenig, wennsie nicht durch eine sachkundige, rücksichtslose und unbestechliche Fachpressebearbeitet werden. Um nur geschichtlich gewordener Verdienste zu gedenken,verweise ich auf die Leistungen Cohnstaedts in der Frankfurter Zeitung :auf seinen Kampf gegen Hypothekenschwindel (Sandenbanken!), gegen die Mündel-sicherheit ungesunder Pfandbriefe. Frühzeitige Angriffe dieses Mannes auf dieTrebertrocknungsgesellschaft und die Niederdeutsche Bank sind Ruhmesblätterin der Geschichte des deutschen Jurnalismus 3 ). Während in Frankreich einzelneBanken den Handelsteil der Tagespresse geradezu pachten und die Handelsredakteurebesolden, während die englische Presse bei vorzüglicher, allgemein wirtschaftlicher

') Buchwald, Technik des Bankbetriebes. 7. Aufl. S. 436ff. Berlin 1909.

2 ) Ueber Bilanzfragen: P a s s o w , Die Bilanzen der privaten Unternehmungen. Leipzig 1910. Rehm, Die Bilanzen der Aktiengesellschaften. München 1903. R e i s c h-Kreibig, Bilanz und Steuer. 2 Bde. Wien 1907/09. Schönwandt, Die Bilanz-unwahrheit. Berlin 1908. H. V. Simon, Die Bilanzen der Aktiengesellschaften. Ber-lin 1899. Derselbe, Betrachtungen über Bilanzen und Geschäftsberichte der Aktien-Gesellschaften. Berlin 1906.

3 ) Geschichte der Frankfurter Zeitung. Frankfurt 1906, insbesondere S. 854884.