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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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20 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. I

sondern nur ein technischer Unterschied zwischen diesen Hypothekenvermittlernund den Hypothekenbanken. Daneben ist die Vermittlung hypothekarischer Dar-lehen an Private, an Hypothekenbanken und Versicherungsgesellschaften ein be-liebtes Geschäft zahlreicher Kreditbanken, die zu diesem Zweck öfters besondereHypothekenabteilungen" besitzen. Auch wenn die Bank als reine Vermittlerinauftritt, also die Hypothek nicht auf eigene Rechnung erwirbt, wird sie durchdieses Geschäft mitmoralischem Giro" belastet. In vielen Fällen ist jedoch dieWeitergebung der Hypothek nur möglich unter ausdrücklicherH ypotheken-bürgschaft"; gelegentlich wurden Millionenhypotheken von Großbanken denHypothekenbanken garantiert. Die Hypothekenbürgschaft wird des öfteren durchRückbürgschaft dritter freilich öfters nur dazwischen geschobener Tochter-gesellschaften gemildert, bleibt aber auch in dieser Form eine bedenkliche Fest-legung, welche die Immobilisierung der Bankmittel bilanzmäßig verschleiert. Viel-fach werden die Hypothekenbürgschaften in der Bilanz mit den ganz anders-artigen kaufmännischen Bürgschaften vermischt, was das Bild weiter verdunkelt 1 ).

Die Hypothekenvermittlung und die Hypothekenbürgschaft unserer Kredit-banken entspringt in den meisten Fällen der auf eigene Rechnung betätigten Grund-stückserwerbung und Grundstücksverwertung, d.h. der Bodenspekulation.Bodenspekulation ist bankwidrig wie Spekulation inKaffee oder Zucker. Dieser Satz muß früher oder später zur Anerkennungsich durchringen, wenn vom Bodengeschäft aus nicht die Keime der Fäulnis denganzen gesunden Bankorganismus verseuchen sollen. In der Bodenspekulationwurzelt das sog.Schachtelsystem", indem die Banken eigene Festlegungen anTochter-, Enkel-, Urenkel- (auch Nichten^) Gesellschaften abschieben. Für diese müssensie doch letzten Endes eintreten, wenn auch in der Bilanz scheinbar liquide Aktiva(Debitoren, Effekten) auftauchen. Nicht selten bleiben die Banken bei Verkaufdes Bodens an kapitallose Bauunternehmer auf zweiten Hypotheken sitzen, diedenderzeitigen Rentabilitätswert" weit übersteigen. Den Banken bleibt dannnichts übrig alsdurchzuhalten", im besten Falle die Amortisation der Hypothekim Verlaufe längerer Zeit durchzusetzen. Privatwirtschaftlich gesprochen, bedeutetdie Festlegung in großstädtischem Grund und Boden für jede Kreditbank eine Ge-fahr, die in Krisenzeiten verhängnisvoll werden kann. Vom volkswirtschaftlichenStandpunkt aus bedeutet das Bodengeschäft unserer Kreditbanken ein Haussemomentauf dem Grundstücksmarkt.Starke Hände" halten die hauptstädtische Boden-spekulation, so daß die einmal erreichten Bodenpreise bestehen bleiben. Diesestarken Hände" sind die Großbanken, welche Millionen opferten, um wankendeBaugesellschaften zu halten, an welche sie durch Hypothekenbürgschaft gebundenwaren 2 ).

Sehr viel bankmäßiger ist die Vermittlung von Hypotheken auf Erbbaurechtmit hochgradiger Amortisation ein Geschäft, das unsern Kreditbanken zufällt,weil die Hypothekenbanken Erbbaurechte nicht beleihen. Dieses Geschäft ist dortum so unbedenklicher, wo es in Verbindung mit einer Stadtverwaltung gemacht wird,so daß die Möglichkeit besteht, unerwünschte Festlegungen auf dem Wege der Emis-sion von Kommunalobligationen zu mobilisieren.

ß. Hypothekenbanken und die ihnen verwandten öffentlich- rechtlichen Pfand-briefinstitute beschaffen hypothekarisch gesichertes Anlagekapital, indem sie nichtHypothekenvermitteln", sondern dauernd im Besitz der von ihnen gewährtenHypothekardarlehen bleiben. Es gelingt ihnen dies dadurch, daß sie ihrerseitsunkündbaren Kredit nehmen, indem sie Gläubiger finden, die geneigt sind, dieSicherheit ihrer Forderung mit Unkündbarkeit zu bezahlen. Hierzu dient die Technik

1 ) Frankfurter Zeitung vom 19. und 22. August 1912.

2 ) Goldschmidt, Schriften des Vereins für Sozialpolitik. Bd. 111. S. 359. Vgl.auch R. Eberstadt, Neue Studien über Städtebau. Jena 1912. S. 135. Eschwege,Bank" 1912. S. 318ff. Derselbe, Boden- und Hypothekenprobleme. Jena 1913.