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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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Begriffliches und Geschichtliches.

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bank", wie sie in Deutschland selten vorkommt Typus: Berliner Handelsge-sellschaft oder in der bei uns üblichen Verbindung mit den Geschäften der kurz-fristigen Kreditgewährung:gemischtes System". Demgegenüber sindsog.Anlagegesellschaften" überhaupt keine Banken: ihr Kapital wird dauerndin Effekten angelegt, um durch verschiedenartige Anlagen und gewinnbringendenVerkauf die Verzinsung bei relativer Sicherheit der Anlage zu erhöhen; sie wirt-schaften also mit eigenem Kapital als Vergesellschaftungen von Leihkapitalistenoder Spekulanten.

s. Effektenkommission. Auch der Kauf oder Verkauf von Effekten im Auf-trage Dritter ist echt bankmäßige Kreditvermittlung. Die Bank ersetzt den zurKreditgewährung weniger geneigten Gläubiger durch einen andern, hierzu geneig-teren oder befähigteren. Effektenemission und -kommission, denen ein be-trächtlicher Bruchteil ihrer Gewinne entstammt, bilden wichtige Geschäftszweigeunserer Kreditbanken; sie werden unten des näheren behandelt.

2. Vermittlung von Betriebskapital.Kreditbank" im engeren Sinnei s t nach üblichem Sprachgebrauch diejenige Bank, welche kurz-fristigen Kredit gibt und kurzfristigen Kredit nimmt.Sie nimmt Kredit durch Annahmefremder Gelder"; sie gibt Kredit entwederinlaufender Rechnung" oder in besonderer pfandmäßiger oder wechselmäßigerForm: Depositengeschäft Kontokorrentgeschäft Lom-bard- und Diskontgeschäft. Man pflegt diese Geschäfte alsreguläreBankgeschäfte" zu bezeichnen, wobei man den englischen Typus als Normempfindet. Das Notengeschäft, das gleich dem Depositengeschäft derBank zur Beschaffung kurzfristiger Betriebsmittel dient, unterfällt gesetzlichenSonderbestimmungen und eignet Spezialbanken,Notenbanken", die ausdem Rahmen dieser Arbeit herausfallen.

Diejenigen Banken, welche sich auf die regulären Geschäfte beschränken,werdenreine Depositenbanken" genannt ein Banktypus, der inEngland vorherrscht, und auf den hin sich auch die bekanntesten französischenGroßbanken entwickeln. Er spielt zurzeit in Deutschland eine geringe Rolle. Nochist Deutschland für einen Depositenzins von 22 1 / 2 %, über welchen reine Depositen-banken kaum hinausgehen können, nicht reif. Selbst Ad. Wagner erklärt denenglischen Zustand fürnoch nicht erreichbar". Auch der öfters gehörte Vorschlageiner Reichsdepositenbank *) krankt an dem Dilemma: Entweder zu niedere Zinsenoder zu gewagte, bzw. illiquide Geschäfte. Am ehesten scheinen die bestehendenPrivatnotenbanken geeignet, sich zu reinen Depositenbanken umzugestalten, so-weit sie das Notenprivileg aufgeben. Diesen Weg ist die FrankfurterBank gegangen . Immerhin bleibt es zweifelhaft, ob ihre Schwesterinstitutenachfolgen können. Die Verhältnisse der Frankfurter Bank liegen eigenartig: Alsreine Depositenbank kann sie trotz hohen Eigenkapitals eine verhältnismäßig hoheDividende zahlen als Girostelle für die Frankfurter Banken, als Kommissionärinfür Börsengeschäfte unter Beleihung erheblicher Effektendepots, vor allem alsVermögensverwalterin für Stiftungen und konservative Großkapitalisten auf demaltrentnerischen Boden Frankfurts, der in dieser Art in Deutschland nicht seinesgleichen findet 2 ).

D. Die deutsche Kreditbank der Gegenwart.

a) Begriffsbestimmung. Wir können zusammenfassen: diedeutscheKr editban k", wie sie gegenwärtig in Deutschland vorherrscht, ist eine große

J ) Warschauer, Depositenbankwesen in Deutschland . Jahrbücher für National-ökonomie. III. F. Bd. 27. 1904. S. 433 ff.

2 ) R u b y, Die badische Bank. Karlsruhe 1911. S. 104 ff. (aus den volkswirtschaftlichenAbhandlungen der bad. Hochschulen).