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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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26 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. I

Unterbeamte 1 ). Ihre Spareinlagen sind mehr oder minder als dauernde Anlagen ge-meint,liegen ruhig". Es ist Anlagekapital, das der geschäftsunkundigeSparer der Sparkasse überläßt, statt Effekten zu kaufen. Gerade diese Unbeweglich-keit entspricht dem Wesen der Sparkasse, welche alles Interesse daran hat, die großen,aber außerordentlich beweglichen Betriebsreserven der Geschäftswelt von sich fern zuhalten. Darum wird vielfach die Höhe der Einlage nach oben begrenzt, was freilichdurch Verteilung der Einlage auf mehrere Sparkassenbücher umgangen werdenkann. Für die Sparkasse steht die Sicherheit ihrer Anlagen voran, für welchemeist gesetzliche Vorsorge getroffen ist (etwa gerichtliche Schätzung der zu be-leihenden Immobilien). Hypothekenanlage ist hier möglich, ja volkswirtschaftlicherwünscht, soweit das Kreditbedürfnis des kleinen Landwirts von Sparkassen besserals von Hypothekenbanken und Landschaften befriedigt wird. Die Frage der L i-q u i d i t ä t tritt demgegenüber zurück; im letzten Notfall ist ein staatliches Mo-ratorium möglich und unter Umständen im Interesse des Einlegers selbst gelegen.Jedenfalls ist ein Sparkassenmoratorium ganz anders zu beurteilen, als ein all-meines Moratorium. Hat sich das Gewitter verzogen, so ist der Sparer noch imBesitze seiner durch Immobilien gesicherten Einlage, für die er als unökonomischerMensch gerade in Krisenzeiten vielleicht keine sichere Anlage fände. Für teilweiseLiquidität wird' am besten durch Besitz von beleihbaren Staatsanleihen und ähn-lichen Werten gesorgt. Viel weniger eignet sich Anlage im Personalkredit, schonwegen der Geschäftsunkunde vieler Sparkassenleiter.Wechselanlage" der Spar-kassen verbirgt vielfach rein personale Kreditgewährung, nachdem die Grund-stücke des Kreditnehmers mit Hypotheken überlastet sind. Scheck- und Girover-kehr führt den Sparkassen die beweglichen Einlagen der Geschäftswelt zu undwiderspricht ihrem Wesen. Je beweglicher die Einlagen, um so bedenklicher wirddie übliche Hypothekenanlage. Vergüten Sparkassen den großen und beweglichenEinlegern den gleichen Zins wie den kleinen und beharrlichen- Kunden, so liegtdarin eine Benachteiligung der letzteren, die dem Wesen der Sparkasse als Wohl-fahrtseinrichtung widerspricht. Dem kleinen Sparer ist die Abhebung zu erschweren,statt sie durch Scheckeinrichtung zu erleichtern. Vermischung von Bank und Spar-kasse ist im theoretischen wie praktischen Interesse abzulehnen, wenn auch gewisseAnlagen bei der Verschiedenheit des Sparkassenzinsfußes und des Bankdiskonts ersterer ist weniger beweglich als letzterer den jeweils vorteilhafteren Anker-platz aufsuchen werden. Nur soweit die Sparkassen ihrem sozialen Grundcharaktertreu bleiben und eben nicht zu Banken sich entwickeln, ist ihr Steuerprivileg ge-rechtfertigt.

2. Ganz im Gegensatz zu den Sparkassen sind die Kreditgenossenschaftenechte Banken und die nächsten Verwandten derKreditbank", welche von unseremGenossenschaftswesen mancherlei lernen kann 2 ). Immerhin bestehen nicht un-erhebliche Unterschiede: Kreditgenossenschaften sind die Kreditbanken der kleinenUnternehmer (Landwirte, Handwerker, Kleinhändler), welche letztere vom unökono-mischen Standpunkt zumKleinkapitalisten" emporerziehen. Hauptbesitz dieserMitglieder ist ihre an die Person gebundene Arkeitskraft. Da die Arbeitskraft deseinzelnen keine genügende Kreditbasis istPersonen sterben und verderben",so schließen sich viele zusammen, womit die Wirkung der persönlichen Schicksaleausgeschaltet wird. Darin liegt der Grundgedanke von Schulze-Delitzsch, dernur bei Solidarhaft der Genossen voll verwirklicht wird. Das ist auch

*) Vgl. hierfür die interessanten Ziffern bei V. H o m b u r g e r, Das Sparwesen inBaden. Altenburg 1911. S. 14/16. Schachner, Handwörterbuch, III. Aufl. ArtikelSparkassen". Derselbe, Kritik des Sparkassenwesens. Archiv für Sozialwissenschaft.1905. 21. Bd. S. 111150.

2 )H. Schönitz, Der kleingewerbliche Kredit in Deutschland unter besondererBerücksichtigung des Großh. Baden ( Volkswirtschaft!. Abhandlungen der badischen Hoch-schulen. XI. Bd. 4. Ergänzungsheft). Karlsruhe 1912.