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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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G. v. Schulz e-Gaevernitz, Die deutsche Kreditbank.

II

den Abrechnungsgenossen zugesandt. Was nicht zurückkommt, gilt als anerkannt.Am Schlüsse jeden Tages setzt zunächst Kompensation zwischen den Ab-rechnungsgenossen ein. Durch Addieren der Förderungen und Schulden und durchSubtraktion der kleineren von der größeren Summe wird der Saldo festgestellt,den der eine Abrechnungsgenosse vom andern zu fordern hat. Es besteht zwischenden verschiedenen Abrechnungsgenossen nunmehr nur noch je ein Forderungs-bzw. Schuldverhältnis. Dieses wird durch Clearing erledigt. Indem die Saldider gegenseitigen Kompensation auf die Abrechnungsstelle bezogen, und hier aber-mals Forderungen und Schulden kompensiert werden, so ist jede der Abrechnungs-banken am Schluß des Tages entweder der Gläubiger oder der Schuldner der Ab-rechnungsstelle mit einer Summe. Der ganze ungeheure Zahlungsverkehr desWelthandelsplatzes reduziert sich allabendlich auf 7 mäßige Ziffern, Debet oder Kreditder Abrechnungsgenossen- bei der Abrechnungsstelle. Da es sich um dieselben For-derungen handelt, welche durch die Debitoren zu zahlen und von den Kreditoren zuempfangen sind, so muß, wenn kein Rechenfehler gemacht ist, die Debet- und Kredit-seite übereinstimmen. Die Abrechnungsstelle hat jeden Abend ein Vermögen gleichNull. Endlich: auch diese letzten Saldi werden nicht bar bezahlt. Da alle Beteiligtenund die Abrechnungsstelle selbst Girokonto bei der Reichsbank haben, so werdendie Saldi durch Reichsbank-Giro erledigt. Der Scheck ist in Hamburg verhältnis-mäßig selten und dient vor allem der Abhebung barer Kasse für den Kleinverkehroder der Zahlung nach auswärts, besonders ans Ausland.

Der Verbreitung des Hamburger Systems im binnenländischen Verkehr stehenerhebliche Hindernisse entgegen. Das Hamburger Verfahren setzt voraus, daßjeder nicht nur ein Bankkonto hat, sondern es auch veröffentlicht, wasunsere Banken vielfach scheuen. Sie fürchten die Kundenjägerei der Konkurrenz,vielleicht auch erleichterte Pfändung von Bankguthaben (!). Trotzdem dehnt sichdas Clearing auch im Binnenlande aus. Im Anschluß an das Hamburger Vorbildhat die Reichsbank zahlreiche Abrechnungsstellen errichtet, denen auch die Post-scheckämter als Mitglieder beitraten. Die größte die Berliner ist mit einerScheckausgleichstelle verbunden, deren Tätigkeit sich in dem Maße ausdehnt, alsunsere Provinzbanken sich an Berliner Großbanken angliedern, die ihre Scheckskostenlos einlösen.

Ueber die Entwicklung des Reichsbankgiro und der Abrechnungsstellen derReichsbank gibt die letztere folgende Ziffern x ):

Umsätze in Millionen Mark im 1891 1901 1912 1913

Giroverkehr 81 012 167128 371 193 379157

Abrechnungsverk. (Einreich.) 17 663 28 922 72 543 73634

Giro- u. Abrechnungsverkehr 98 676 196 650 443 737 452 791

davon Barzahlungsverkehr 24341 29 713 43 537 43 357

desgl. in % des Gesamtumsatzes 24,7% 15,1% 9,8% 9,6%

Der Verkehr der drei größten Abrechnungsstellen belief sich 1913 in Hamburg auf 26,6 Milliarden, davon 95,3% kompensiert; in Berlin auf 27,2 Milliarden, davon63,5% kompensiert; in Frankfurt auf 8 Milliarden, davon 85% kompensiert.

Als private Abrechnungsstelle besteht derBerliner Kassenverein ", welcher1910 bei einem Inkassoverkehr von 23 Milliarden Mk. 90% auf dem Kompensations-wege erledigte.

b) Schwebende Kapitalien sind Depositen zu vorübergehenderAnlage Kapitalien, welche Verzinsung abwerfen und dabei doch liquid gehaltenwerden sollen. Eine wenn auch mäßigeVerzinsung entspricht dem Wesen dieserEinlagen. Schwebende Kapitalien suchen die Banken entweder mangels langfristigerAnlagegelegenheiten auf oder auch, um außergewöhnlichen Zahlungsbedürfnissen vor-zubauen: Betriebsreserven. Hierher gehören ebenfalls die sog.uneigentlichen Horte",d. h. Edelmetallmengen, die beim Fehlen anderweitigerVerwendung in die Banken ein-

0 Denkschrift der Reichsbank:Die deutschen Abrechnungsstellen im Jahre 1913".