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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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46 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

schon in Beträgen von 50 Mk. ab an." In derselben Zeit vergütete die BerlinerSparkasse 3% für täglich fällige Gelder! Noch weiter gehen manche Kleinbanken:So hatte die Marienburger Privatbank bei einem Aktienkapital von 300 000 Mk.5y 2 Millionen Depositen, auf die sie durchschnittlich 5,83% Zinsen vergütete x ).Unsere Kreditbanken haben das größte Interesse daran, jenenwilden" Bankendas Handwerk zu legen, welche Depositenzinsen von 5% und mehr versprechenund dafürgute Effekten" doch wohl nicht eigene, sondern ihnen von dritterSeite verpfändete oder hinterlegte als Kaution in Aussicht stellen. Solche Banken,welche sich dazu nochSparkassen" nennen, spiegeln dem unerfahrenen Publikumdie Vorstellung staatlicher Aufsicht vor. Sie sollten mehr als bisher den Staats-anwalt beschäftigen. Unsere gefestigten Kreditbanken haben ein lebhaftes In-teresse an einer sauberen Scheidung von Sparkassenwesen und Bankwesen.

D. Volkswirtschaftliche Beurteilung der Depositen.

a) Diefremden Gelder" der Banken bedeuten, daß das flüssige, rasch um-schlagende Kapital der Nation, dasGeldkapital" vor allem Kaufmanns-waren, werdende Industrieprodukte, reifende Ernten, müßige Edelmetallbeständeden Banken zur Verfügung gesteht werden. Die Banken bringen solche Güterdurch Kreditgewährung grundsätzlich in diejenigen Hände, welche über sie mitVorteil verfügen können. Es bedeutet dies keine Vermehrung, jedoch intensivsteAusnutzung des vorhandenen Kapitals. Je weiter sich das Systemderfremden Gelder" entwickelt, um so niedrer wirdunter sonst gleichen Verhältnissen der Landeszinsfuß,zunächst der Diskont, stehen. Wenn in England der Zins durch-schnittlich um 1% niedrer sich stellt als bei uns, so geht dies nicht allein, aber dochnicht zuletzt auf die breitere Scheckgewohnheit Englands zurück. Der Pulsschlagder Volkswirtschaft ist ein erheblich langsamerer in osteuropäischen und asiatischenLändern, welche das Geldkapital nicht in den Becken der Banken ansammeln. Daherlag die Aufhebung des Scheckstempels in Deutschland im allgemeinsten volks-wirtschaftlichen Interesse.

Unser Staat ist aus machtpolitischen, unsere Kommunen sind aus kulturpo-litischen Gründen zur Pflege der volkswirtschaftlichen Intensität verpflichtet:Verbreiterung und Verstärkung der Steuerbasis. Sie sind daher an der Ausbildungder bankmäßigen Zahlungsmethoden im höchsten Maße interessiert. Wie wenig abersind sie sich dieses Interesses bewußt! Vor allem, wie rückständig ist der Charakterdes staatlichen Zahlungswesens! Deutschland das Land desStaats- und Kommunalsozialismus läßt enorme Barmittel durch öffentlicheKassen gehen; dabei ist der Geldbedarf für staatliche Steuern, Gehalte und Schuld-zinsen ein wichtiges Moment der nationalen Zahlungsleistung überhaupt. Der Reichs-bank angegliedert ist zwar das Zahlungswesen der Zentralkassen. Hartgeldzahlungund Aufspeicherung herrschen dagegen überwiegend bei den mittleren und unterenStaats- und Kommunalkassen 2 ). Verfasser dieses zahlt kommunale Wasser- und

*) Deutscher Oekonomist 1909. S. 509. Plutus H. 17 v. 24. Mai 1913.

2 ) E. v. P h i 1 i p p o v i c h, Die deutsche Reichsbank im Dienste der Finanzverwaltungdes Reichs und der Bundesstaaten (Schanz, Finanzarchiv, Bd. II. S. 108 ff.). Stuttgart , Cotta1886. Derselbe, Die Bank von England im Dienste der Finanzverwaltung des Staates.2. Auflage. Leipzig und Wien 1911. S. B,uff, Die Beteiligung der staatlichen und kom-munalen Behörden am bargeldlosen Zahlungsverkehr (Bankarchiv, IX. Jahrgang 1909/10.S. 181). Kimmich, Einrichtungen und Bedeutung der Reichshauptkasse (BankarchivVIII. Jahrgang 1908/09. S. 237, 255). A. Siebert, Ueber bankmäßige Ausgestaltungder Finanzverwaltung im Großh. Baden. Dresden , Böhmert, 1906. W. Krakenberger,Das Kassen- und Zahlungswesen des Staates und der Kommunen im Königreich Bayern(Münchener Volkswirtschaftliche Studien, Stück 96). Stuttgart und Berlin , Cotta, 1909.A. H. Buschkiel, Das Kassen- und Zahlungswesen der staatlichen und kommunalenBehörden im Königreich Sachsen und seine jüngste Entwicklung (Münchener Volkswirt-schaftliche Studien, Stück 89). Stuttgart und Berlin , Cotta, 1909.