II
Bankgeschäfte.
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Elektrizitätsabgaben mittels Schecks, der vom städtischen Beamten bei der Bankin bar abgehoben wird(!). Hinsichtlich der Gehaltszahlungen könnte doch wohl„sanfter Zwang" die Scheck- oder Girogewohnheit, die jetzt durch die Post allenbequem zugänglich gemacht ist, durchsetzen. Die Beamten bilden eine an Zahlständig wachsende, dabei gewohnheitsmäßig noch an das Hartgeld gebundene Be-völkerungsklasse.
Im einzelnen hängt die volkswirtschaftliche Beurteilung des Depositenwesensdavon ab, wem die Geldkapitalien der Nation durch die Banken zugeführt werden:der Produktion oder der Spekulation? der Hauptstadt oder auch der Provinz?den Riesenbetrieben der Schwerindustrie oder auch dem mittleren Verfeinerungs-gewerbe? Wir kommen auf diese Frage gelegentlich der aktiven Bankgeschäftezurück. Aber schon die Art der Depositenbildung ist bestimmend für ihre Ver-wendung. In solcher Richtung liegt die volkswirtschaftliche Bedeutung desdeutschen Mehrbeckensystems, welches vor allem die landwirtschaft-lichen Betriebsüberschüsse und Spargelder der Landwirtschaft erhält und siedurch die Genossenschaften dem bäuerlichen Aufschwung dienstbar macht. Inmanchen wohlhabenden Bauerngebieten Deutschlands ist der Bauer sogar in derLage, über seinen eigenen Beruf hinaus auch andere Volkskreise mit Ueberschüssenzu bewässern. So hatte z. B. die Filiale einer süddeutschen Großbank zu Landau infolge des guten Weinerträgnisses Herbst 1911 eine Mehreinlage von einer Mil-lion Mk. — kein vereinzeltes Beispiel!
b) Erziehung zur Wirtschaftlichkeit. Das System bankmäßiger Zahlung erziehtferner zu geordneter Buchhaltung und prompter Z a h 1 u n g. Esist vor allem dazu berufen, die Borgwirtschaft zu bekämpfen, an welcher die mittlereund kleinere Geschäftswelt in Deutschland noch leidet. Von großer Bedeutung isthierin die Scheckgewohnheit der Privaten. Viele Leute schieben nur wegenZeitverlust und Umständlichkeit des Botengangs, besonders in der Großstadt,ihre Zahlungen auf. Kreditgenossenschaften erziehen das Kleinunternehmertumin Stadt und Land zu verbesserten Zahlungsgewohnheiten. Sie bedeuten auch indieser Hinsicht eine Ausstrahlung des Bankwesens in die volkswirtschaftliche Breite.Finanzpolitisch ist die Gewohnheit, alle Eingänge und Ausgänge durch eine Bankzu leiten, die Grundlage richtiger Einkommens- und Vermögensfassionen.
c) Von größter Tragweite ist auch die Bedeutung des Depositenwesensfür die Zentralbank. Wenn alle Volksschichten ausschließlich auf bank-mäßigem Wege zahlten, so gäbe es keine Quartalanspannungen, fürwelche die Zentralbank aufkommen muß; solche sind in England , aber auch inHamburg in der Tat weit geringer als im übrigen Deutschland . Weiter: Diebankmäßige Zahlung entlastet die Zentralbank hinsichtlich der Notenausgabe.Dieses System bedeutet eine um so größere Elastizität der Zahlungs-mittel, als die Banken über die reale Zahlkraft hinaus im gegebenen Falle aufdem Kreditwege auch formale Zahlkraft schaffen können — nicht ohne Gefahren!Zugestandenermaßen hätte ohne eine solche Erweiterung der Zahlungsmittel durch dieBanken die Zwangsjacke der Peelsakte in England längst versagt. Endlich: DieAusdehnung des Depositenwesens ermöglicht, wenn anders die Zentralbank dienötigen Machtmittel über die Bankwelt des Landes besitzt, eine straffereZusammenfassung der nationalen Edelmetallbestände.Denn ein Teil des in die Banken strömenden Geldkapitals besteht in Edelmetall.Auf letzteres erhebt die Zentralbank ihren Anspruch. Je größer aber die Edel-metallbestände der Zentralbank sind, um so eher kann sie die Rücksichten deräußeren Diskontpolitik gegenüber der inneren zurücktreten lassen. Vor allem wirdin Krisenzeiten die Notenkraft der Zentralbank weniger schnell erschöpft, undjähe Zinssteigerungen sind leichter zu vermeiden. Solche Vorzüge besitzt das Depo-sitenwesen allerdings nur dann, wenn es der Zentralbank gelingt, das Edelmetallaus den Banken sich zuzuführen und bei sich festzuhalten; denn andererseits ver-