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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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II

Bankgeschäfte.

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Nostroguthaben bei Banken" zu buchen. Hiervon scheide man scharf die Gut-haben der Zentralbanken des Börsenplatzes bei den Provinzbanken, welche ausEffektenspekulationen der letzteren oder deren Kunden herrühren. Diese Guthaben überwiegend unter Debitoren, aber auch unter Reports und Lombards gebuchtsind zwar durch Effekten gedeckt, können jedoch mit diesen schlecht werden. Schlech-testeDebitoren" endlich sind Tochterbanken; sie verdecken nicht selten höchstilliquide Anlagen, z. B. Immobilien, die nur buchmäßig, dazu oft noch zu übertriebenhohen Preisen, abgeschoben worden sind. Bankdebitoren entstehen auch durchinternationale Kontokorrentverhältnisse. Befreundete Banken verschiedener Länderpflegen gegenseitig je zwei Konten zu führen: conto mio, in fremder Währung,auf welchem wir die Geschäfte buchen, die der Geschäftsfreund im Auslande füruns ausführt, und conto suo für Geschäfte, welche wir für den ausländischen Ge-schäftsfreund in unserer Währung ausführen. Dabei kommt es vor, daß wir vonunserem Guthaben größere oder kleinere Posten bei einem für uns günstigen Standeder Wechselkurse an den ausländischen Geschäftsfreund verkaufen und demselbenden Gegenwert in Mark belasten, und umgekehrt. Diese internationalen Konto-korrente in Verbindung mit Devisengeschäften bedeuten eine außerordentlicheVereinfachung des internationalen Zahlungsverkehrs, der weithin auf diesem Wegeerledigt wird.

Da die Kontokorrentkredite meist für längere Zeit festgelegt, jedenfalls imganzen genommen weniger liquid sind als die Diskonte, so ist der Debitoren-zins höher als der Diskont. Der offizielleBanksatz" bildet meist die rechnerischeGrundlage für den Kontokorrentzins. Gegen ungewöhnliche Schwankungen desBanksatzes schützen sich die Banken durch Festsetzung eines Minimums, z. B.1% über Reichsbanksatz, nicht unter 5%". Möglich ist jedoch, daß in besondersgeldflüssigen Zeiten der Privatdiskont den Kontokorrentzins herabzwingt 1 ). Die Ab-stufung des Zinsfußes für Debitoren richtet sich aber auch nach der Sicherheit,welche der Schuldner bietet, nach dem Abhängigkeitsgrad des Kunden von derBank, also nach rein persönlichen Verhältnissen. Zwar sind Verabredungen desDebitorenzinses unter den Banken eines Platzes üblich, jedoch nur als Minimal-sätze. Die Verschiedenheiten der Zinsbelastung verbergen sich vielfach auch unterProvision. Das Persönliche ist hier nie ganz auszuschalten. Immerhin ist für denDebitorenzins der Diskontsatz als der leitende Zins des Geldmarktes (worüberunten näheres) das weithin sichtbare Thermometer.

e) Auch die Kreditoren sind keineswegs gleichwertig. Voran stehen dieIndustrie- und Handelskreditoren, die im Laufe des regelmäßigen Kontokorrent-verkehrs zur Zeit ihrer Eingänge Gläubiger der Bank werden. Aktiengesell-schaften treffen für Dividendenausschüttung Vorsorge. Durch Ausgabe von Aktienund Obligationen kommen langjährige Bankschuldner gelegentlich aus dem Debetin das Kredit vielleicht ein rein formaler Vorgang, indem die Banken auf denunverkauften Effekten festsitzen. Daneben stehen die Börsenkunden. Die Börsen-novelle von 1908 hat die Kreditoren und damit die flüssigen Mittel derjenigen Bankenvermehrt, welche an Börsenplätzen Effektenspekulationen vermitteln. Früherwurde Kassa spekuliert, die gekauften Stücke auf Stückekonto gutgeschrieben,der Kaufpreis auf Kontokorrent sofort belastet, abzüglich der etwa gemachten Bar-einzahlung. Heute wird wieder auf Termin spekuliert und der Kunde, soweites sich um Ultimopapiere handelt, erst auf Ultimo belastet, während er den Ein-schuß sofort bei Eingehung des Geschäfts als Sicherheit leisten muß. Prolongierter Ultimo, so belastet die Bank den Kunden lediglich mit Spesen und Report; mitdem Kaufpreis belastet wird der Kunde erst, wenn er realisiert, d. h. die Stückedefinitiv kauft 2 ).

0 J. Fr. Schär, Die Bank im Dienste des Kaufmanns. Leipzig 1909. S. 7682.

l ) Wenn z.B. jemand 15 000Mk. Aktien zu 200% per Ultimo August gekauft hat,

so wird er mit 30000 Mk. per Ultimo August belastet; erfolgt eine Prolongation per Ultimo