II Bankgeschäfte. 73
unserer deutschen Großbanken lange Zeit vorgezogen, weil die Bank von England letztere unter dem Vorwande nicht diskontierte, diese Filialen könnten im Kriegs-falle aufgehoben werden. Londons Bedeutung als Akzeptplatz ist mit der Zunahmedes überseeischen Verkehrs Deutschlands zunächst noch gestiegen. Die Stellungdes Londoner Akzepts beruht auf dem unerschütterten Vertrauen in die englischeWährung und den freien Londoner Goldmarkt, welcher Valutaschwankungenschlechthin -ausschließt. Beides aber hat in letzter Linie zur Voraussetzung diealte Freihandelslehre, wonach England als der Welthändler und Weltvermittlerden Welthändeln grundsätzlich fern bleibt. (In diese Vormachtstellung Londons hatder Weltkrieg eine Bresche geschlagen; Wechsel auf London waren alles andereals „Gold plus Zins".)
4. Als „nicht bankfähige Wechsel" gelten kaufmännische Diskontpapiere,die den formellen Anforderungen der Reichsbank nicht genügen, z. B. Wechselauf Nicht-Reichsbankplätze mit kleinen, ungeraden Summen. Nicht wenigedieser kleinen Wechsel entstammen auch dem Kundenverkehr zwischen Groß-geschäft und Konsumenten, welcher neuerdings den Zwischenhandel vielfachumgeht. Hierzu kommen Wechsel von längerer als dreimonatlicher Laufzeit. Dennhier kann sich die Qualität des Wechsels bis zum Verfalltag verändern. Daherwerden lange Wechsel öfters erst diskontiert, wenn sie dreimonatig geworden sind.Kleine Wechsel auf Nebenplätze werden nicht diskontiert, sondern Valuta per Verfallgutgeschrieben. Ueberhaupt vom Diskont ausgeschlossen sind sog. „Leerwechsel".Jedoch sind gute Wechsel äußerlich nicht erkennbar; alles hängt von Erfahrungund Scharfblick des orts- und personenkundigen Diskonteurs ab. Ihm gilt das Wortdes Dichters: „Gefühl ist alles" — keineswegs aber: „Der Name ist Schallund Rauch." So wurden die Wechsel der Niederdeutschen Bank in Rheinland undWestfalen längst abgewiesen — nicht, wie von interessierter Seite behauptet wurde,aus Futterneid —, als sie in Berlin und im Auslande noch willige Abnehmer fanden.
d) Was bestimmt die Höhe des Diskontsatzes? Eine Frage von entschei-dender Bedeutung. Denn der Diskontsatz gilt als der leitende Zinssatzdes Geldmarktes überhaupt, da die anderen kurzfristigen Zinssätze, wieder Depositenzins, der Kontokorrentzins, der Lombardsatz, der Reportsatz mehroder minder ausgesprochen dem Diskontsatz folgen.
1. Man unterscheidet „Privatdiskont" und „Banksatz", d.h. als letzteren denoffiziellen Diskontsatz der Zentralbank. Welcher ist der leitende von diesen beiden ?Leitend ist heute in Deutschland der „P r i v a t d i s k o n t" — im Gegensatz zufrüheren Zeiten, auch im Gegensatz etwa zu Rußland und Oesterreich-Ungarn, wo deroffizielle Banksatz vorherrscht. Unter Privatdiskont versteht man den im freien Ver-kehr gezahlten Preis für beste Bankpapiere, welche als fungible Ware einenmehr oder minder einheitlichen Preis erzielen, der auf dem zentralenGeldmarkt — heute Berlin —• festgesetzt wird. Auch bei solchen Wechseln könnenunter Umständen individuelle Verhältnisse die Preisbildung beeinflussen, z. B. derVerfalltag. So bedingen Wechsel auf Quartalsende, für das die Banken durch Dis-kontierung solcher Wechsel gerne Vorsorgen, oft einen niedreren Diskontsatz. EineRolle spielt unter Umständen auch der Wohnort des Diskonteurs. So hatte Frank-furt , solange es der Sitz der Rothschildschen Vermögensverwaltung war, gewöhnlichden niedersten Diskontsatz des Reichsgebietes. — Den Bankpapieren gegenübersteht die große Masse der kleineren Wechsel, Warenwechsel usw. (nach Schwarz 1 )60—70% aller Wechsel). Diese werden nach dem offiziellen Banksatz berechnet.Je geringer die Qualität des Wechsels, eine um so größere Rolle spielen individuelleUmstände bei der Diskontierung. Diese individuelle Behandlung geht so weit, daßin kleineren Städten sogar die „gesellschaftliche Qualifikation" der Bankkunden