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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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74 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

auf die Diskontierungsbedingungen von Einfluß sein kann 1 ). Aber die großen Um-sätze im Diskontgeschäft beherrscht der Privatdiskont. Denn die großen Wechsel,welche die Bank durch ihr Indosso zu Bankpapieren erheben kann, werden nachPrivatsatz abgerechnet, in der Weise wenigstens, daß auf seinerGrundlage" dis-kontiert wird. In der Provinz bestehen vielfach örtliche Verabredungen, solcheWechsel etwa zu 1 / B % über Berliner Privatdiskont zu verrechnen. Der Privatdiskontist das beweglicheBarometer von der Lebhaftigkeit der Handlung" 2 ), wogegendem festeren Reichsbanksatz nach außen hin einerepräsentative" Bedeutungzukommt.

2. Was bestimmt den Privatdiskont? Der Privatdiskont an der BerlinerBörse wird von der Maklerfirma F. Meißner u. Co. Nachf., also von keiner offi-ziellen Börseninstanz, festgesetzt und zwarnach dem Verhältnis zwischen An-gebot und Nachfrage", a. Die Nachfrage nach Bankakzepten geht überwie-gend von wenigen Großdiskonteuren aus, die zudem das Geldangebot ingewissen Grenzen willkürlich vermehren oder vermindern können. DasWechsel-Angebot dagegen ist unorganisiert und öfters Notangebot. Hierzukommt, daß die Großbanken als Besitzer von großen Portefeuilles und alsDiskontierungs-Beauftragte ihrer Kunden selber erhebliche Wechselmengen auf denMarkt bringen oder zurückhalten können. Daher überwiegt bei der Preisbildungder Bankakzepte der Einfluß der Nachfrage. Die Vertreter der Berliner Groß-banken setzen alltäglich den Privatdiskont fest. Mendelssohn und die DeutscheBankmachen" so sagte bei GelegenheitPlutus" den Privatsatz, ohnedamit den regelmäßigen Einfluß der andern Großdiskonteure leugnen zu wollen.Dieser Einfluß äußert sich nicht immer in der Richtung hohen Diskontes.Zwar bringt letzterer den Banken Zinsgewinne; aber da er meist mit Abschrei-bungen an Effekten und Debitoren verbunden ist, so begünstigen ihn die Bankennicht. Teurer Diskont verschlechtert zudem die Emissionsmöglichkeiten 3 ). Durchsinkenden Diskontsatz sucht man vielfach den Markt für Aufnahme der Effektenflüssig" zu machen, womit die Banken ein gewisses inflationistisches Elementin die Volkswirtschaft tragen können. Andererseits kann sie die Vorsorge fürkommende Ansprüche veranlassen, viele Wechsel zu kaufen und damit den Dis-kontsatz zu erhöhen, um ihre Reserven zu vermehren 4 ). Oefters bestehen entgegen-gesetzte Interessen verschiedener Bankhäuser. So arbeiteten während des russisch-japanischen Krieges die deutschen Großbanken auf dem Diskontmarkte wiederholtgegeneinander. Noch besteht in Deutschland keinGeldtrust", d. h. eine kartell-mäßige Festsetzung des Diskontsatzes. Dies um so weniger, als neben den Groß-banken auch andere staatliche und private Großdiskonteure nicht fehlen.

ß. Durch den Mitbewerb des Auslandes wären auch solchen Verabredungenenge Grenzen gesteckt. Ist der heimische Diskontsatz höher als der des Auslandes,so wird ausländisches Kapital sich anbieten. Ein Hindernis liegt in der Möglichkeitvon Valutaschwankungen, d. h. der Gefahr, den sicheren, aber geringen Zinsgewinndurch die Ungunst der Wechselkurse zu verlieren. Das Ausland fürchtet, die Wechsel-summe am Verfalltage nur mit Verlust in eigene Währung umsetzen zu können.Daher läßt sich für Länder, für welche die Wechselkurse durch die Goldpunktebegrenzt sind, einemögliche Diskontdifferenz" berechnen. Das Kapital geht indas Ausland, wenn der Diskontunterschied so groß ist, daß es selbst bei ungünstigsterGestaltung der Wechselkurse keinen Verlust erleidet 6 ). Je enger also die Gold-

1 ) Eickemeyer, Ueber Diskontierungsbedingungen. (Zeitschr. f. handelswissen-schaftl. Forschung. Bd. II. S. 344.)

2 ) Büsch, Abhandlung vom Geldumlauf. Hamburg 1800. 2. Aufl. S. 687.

3 ) R i e ß e r , Die deutschen Großbanken und ihre Konzentration. 3. Aufl. Jena 1910.S. 347/348ff. 4. Aufl. 1912.

4 ) Bank. Herausgegeben von Lansburgh. Febr. 1909. S. 240260.

6 ) W e i 11, Die Solidarität der Geldmärkte. Frankfurt a. M. 1903.