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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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II

Bankgeschäfte.

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punkte eines Landes zusammenliegen, um so schärfer die Konkurrenz des auslän-dischen Kapitals mit dem heimischen auf dem Diskontmarkt, um so niedrigerceteris paribus der Diskontsatz und damit der Landeszinsfuß. Indem die Reichs-bank die Schwankungen der deutschen Währung innerhalb enger Goldpunkte hält,wirkt sie damit ermäßigend auf den' Landeszinsfuß. Da der deutsche Diskontsatzgewöhnlich erheblich über dem westeuropäischen steht, so konkurriert besondersfranzösisches, holländisches, englisches und Schweizer Kapital auf dem deutschenDiskontmarkt. Es sind jedoch diese Diskontunterschiede in Abnahme begriffen; da-mit ist der deutsche Geldmarkt vom Auslande unabhängiger geworden. Januar 1914stand der Satz der Reichsbank nur %% über dem der Bank von Frankreich , früheroft 1 bis 2 Prozente. Unmittelbar wirkt diese internationale Ausgleichung nur aufden Markt bester Bankpapiere, aber von dort mittelbar auch auf den Geldmarktim ganzen. Außerdem unterbrechen Unwägbarkeiten immer wieder den auto-matischen Zusammenhang der Geldmärkte. Mißtrauen, Unkenntnis, nicht zuletztpolitische Abneigung bilden mehr oder minder hohe Deiche gegen die Strömungdes internationalen Leihkapitals. Außerordentliche politische Ursachen könnendiese Zusammenhänge gänzlich zerreißen, andererseits aber auch dem Auslandezeitweise den heimischen Diskontsatz völlig unterwerfen. Beispiel: Um eine An-leihe vorzubereiten, legte z. B. Rußland 1894 104 Millionen Mk. in Gold nach Deutsch-land. Der Berliner Privatdiskont ging auf l 3 / 8 % herunter. Naclidem die Anleiheplaziert war, wurde das Gold wieder abgezogen, und es stieg der Berliner Diskont') Schwankungen, die mit der Lage und den Zwecken der deutschen Volkswirtschaftnicht das mindeste zu tun hatten.

y. Neben den privaten Großdiskonteuren des In- und Auslandes übt, dieReichsbank einen zeitweise erheblichen Einfluß auf den Privatdiskont aus imInteresse ihrer äußeren wie inneren Diskontpolitik. Jedoch ist dieser Einfluß ingewöhnlichen Zeiten kaum wirksam. Da besteht eine normale Spannungzwischen dem stetigerenBanksatz" der Reichsbank und dem schwanken-deren Privatdiskont, welche von der verschiedenen Qualität des Diskont-materials herrührt. Die Reichsbank braucht keine hochbegebbaren Wechsel;daher ist ihr Diskontsatz naturgemäß höher als der Privatdiskont 2 ). Der Reichs-banksatz ist Einheitssatz für Wechsel durchschnittlicher Güte. Er ist zugleichgeographischer Einheitssatz. Durch ihr Festhalten am offiziellen Banksatz scheidetdie Reichsbank für überdurchschnittliches Wechselmaterial im reicheren West-deutschland für gewöhnliche Zeiten vom Wechselmarkt aus und verbilligt den Zins-fuß im kapitalarmen Osten, wo sie vielfach einziger Diskonteur ist. Vergleichedie folgenden Ziffern: Es belief sich der Gewinn aus Platzwechseln im Jahre 1908in 1000 Mk. bei der Reichsbankanstalt in Frankfurt a. M. auf 253, in Glogau auf603, in Flensburg auf 615, in Stralsund auf 626. Die entsprechende durchschnitt-liche Laufzeit betrug in Frankfurt 15 Tage, dagegen 71 in Glogau, 63 in Flens-burg, 73 in Stralsund. Selbstverständlich ist auch in Westeuropa der Satz fürdurchschnittliches Wechselmaterial in der Provinz höher als der Satz für besteWechsel in der Flauptstadt. Die geringere Spannung zwischen Banksatz und Privat-diskont in Westeuropa beruht darauf, daß die Bank von England sich nach ihremoffiziellen Satze keineswegs immer richtet, die Bank von Frankreich überhauptnur die Wechsel einer geringen Anzahl von Firmen nimmt und drei Unterschriftenfordert. Die Reichsbank könnte ohne weiteres Privatsatz und Banksatz einandernähern. Sie brauchte nur die Ansprüche an die ihr zum Diskont eingereichten Wechselzu steigern und sich nicht mehr so weitherzig wie bisher zur Rediskontierung inAnspruch nehmen zu lassen. Die Banken wären dann mehr als bisher auf den Re-diskont ihrer Akzepte bei anderen Banken angewiesen. Damit erführe die bevor-

9 Arnold im Bankarchiv vom 1. Sept. 1912.

2 ) P 1 e n g e, Von der Diskontpolitik zur Herrschaft über den Geldmarkt. Berlin,

Springer, 1913. S. 193/4.