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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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76
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76 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

zugte Stellung des Bankakzepts eine Abschwächung; mit erhöhtem Privatdiskoiitwürde das Akzeptgeschäft der Banken eingeengt werden. Ob es sich empfiehlt,mit solchen Mitteln die Spannung zwischen Banksatz und Privatdiskont zu ver-mindern, ist eine interne Frage der Reichsbank, die hier nicht zu besprechen ist.

In außergewöhnlichen Zeiten dagegen erlangt der Banksatzerheblichen Einfluß auf den Privatdiskont und zwar in doppelter Hinsicht, sowohlim Sinne der Zinsermäßigung wie der Zinserhöhung.

In Zeiten außergewöhnlich erhöhter Kreditansprüche nähert sich der Privat-satz dem Banksatz. Ja, er kann, wie Oktober 191L vorübergehend über ihn steigen,wenn politische Gründe die Reichsbank veranlassen, dem Auslande die Kraft unseresGeldmarktes vor Augen zu führen. Der Privatsatz tritt damit praktisch außerKraft, außer für Finanzwechsel, welche keinen Zugang zur Reichsbank finden.In solchen Tagen politischer Krisen oder gar Katastrophen ist die Reichsbank derHauptdiskonteur, unter Umständen sogar der einzige Diskonteur auf deutschemMarkte. Sie hält soweit siestark" in die Krisis hineinging den Diskontsatzin erträglichen Grenzen und damit die Volkswirtschaft im Gange. In ähnlicherWeise wird die Reichsbank in Zeiten innerer Wirtschaftskrisen den Diskontsatznicht zu sehr erhöhen, um alsBank der Banken" legitimen Kreditansprüchenentgegenzukommen. So stieg in der Zeit krisenhafter Bankzusammenbrüche vonSeptember bis Dezember 1902 der Reichsbank-Diskont nicht über 4%. Aber geradein solchen Tagen droht die Gefahr, daß der Reichsbank selber der Atem ausgeht.Daher hat sie in normalen Zeiten des Wirtschaftslebens für innere Kräftigung zusorgen. Nachgiebigkeit gegen Kreditnachfrage in gewöhnlichen Zeiten auchwenn mitsozialen Rücksichten" begründet führt mit Notwendigkeit zu jähenKreditverkürzungen gerade in den Tagen, da die ganze Volkswirtschaft der Stützeder Zentralbank am meisten bedarf.Billiger Diskont", über die vorhandenenKapital-Unterlagen hinaus, ist kein Ideal und schließt alle inflationistischen Ge-fahren in sich. Wohl aber kann die Zentralbank in Zeiten der Krisis durch Schaffungformaler Zahlkraft indem sie Zukunftswerte in Zahlungsmittel umgießt denDiskont verbilligen, wenn sie selbst mit erheblicher realer Zahlkraft in die Krisiseintrat. Es sei dahingestellt, wie weit die deutsche Reichsbank zeitweilig in infla-tionistischer Richtung gewirkt hat, wie P 1 e n g e ihr vorwirft 1 ). Hier wurzelnauch die Hauptbedenken gegen einen Privatdiskont der Reichsbank. Jedenfallsliegen die Fehler soweit sie gemacht worden sind in der Ver-gangenheit.

Demgegenüber stehen die Fälle, in denen die Reichsbank ein Interesse an Er-höhung der Diskontsätze hat und den Privatdiskont nach oben herauf zu zwingensucht. Gewöhnlich sind es Gründe der äußeren Diskontpolitik, welche sie zu solchemVorgehen veranlassen, da der Privatdiskont, nicht der offizielle Banksatz, die inter-nationalen Edelmetallströmungen beherrscht. Aber auch aus Gründen der innerenDiskontpolitik kann die Reichsbank die natürliche Reaktion des Diskonts auf Pro-duktionsausdehnung, Warenpreissteigerung und Börsenspekulation noch bewußtzu verstärken suchen, um ungesunde Hochkonjunkturen abzudämmen. Daß dieKrisis 1901/02 immerhin kurz und milde war, wird auf die zur rechten Zeit brem-sende Tätigkeit der Reichsbank zurückgeführt 2 ). Um den Privatdiskont an denBanksatz heran zu zwingen, ist die Reichsbank auf Verknappung des Geldmarktes bisher üblicherweise durch Abgabe von Schatzscheinen angewiesen.

e) Geldmarkt und Kapitalmarkt. Aber aller menschlichen Willkür obder Großdiskonteure, ob der Reichsbank sind durch die allgemein wirt-schaftlichen Bedingungen enge Grenzen gesetzt. Auf dem Bodender Kreditwirtschaft überläßt der Leihkapitalist die Verfügung über Wertbeträge

1 ) J. P 1 e n g e , Von der Diskontpolitik zur Beherrschung des Geldmarktes. (Bank-archiv v. 15. Mai 1912.) S. 245.

2 ) Schriften des Vereins für Sozialpolitik. Band 110. S. 73 ff..