82 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. Ii
h a n d e 1 Deutschlands ist der Wechsel vielfach durch sofortige Zahlung verdrängt:Der deutsche Importeur zahlt dann „K assa gegen Dokument e", wobeiihm sein Bankkredit Kassazahlung erleichtert. So haben z. B. in Mannheim dieGetreidetratten stark abgenommen, mit welchen früher die Einfuhr ganz über-wiegend bezahlt wurde. Immerhin spielt der Wechsel — „Akzept gegen Do-kumente" — noch eine sehr erhebliche Rolle; so bei der Einfuhr von Baum-wolle, Wolle, Metallen. Der überseeische Exporteur zieht gern Goldwechsel, weil siefeste und marktgängige Werte repräsentieren. Der deutsche Importeur zahlt nichtgern in Auslandswechseln; er fürchtet Kurssteigerung der überseeischen Währungin der Zeit zwischen der Kalkulation des Geschäfts und der Weehselanschaffung.Außerdem ist in Deutschland kein Markt überseeischer Wechsel vorhanden, aufwelchem er solche Wechsel einkaufen könnte. Nur wo ein Markt ausländischerWechsel oder Valuten besteht, wie die einstige Berliner Rubelbörse 1 ), heute derMarkt Petersburger Wechsel in Berlin oder der Markt ostasiatischer Valuten inLondon , erlaubt das Termingeschäft Versicherung gegen Kursschwankungen undbedient sich Europa gelegentlich der überseeischen Währung für Einfuhrzwecke.
Aehnlich im Ausfuhrhandel. Der europäische Exporteur zieht nichtgern in überseeischer Währung, er fürchtet Kurssenkung in der Zeit zwischen derKalkulation des Geschäfts und der Bezahlung des Wechsels. Er stellt seine Rech-nungen am liebsten und weit überwiegend in heimischer Goldwährung aus. Im deut-schen Export nach den überseeischen Neuländern spielt noch immer der Buchkrediteine hervorragende Rolle. Der Ueberseeer, der in Mk. belastet wird, zahlt, wenn er„kann", wenn ihm Zahlungen eingehen, wenn er infolge guter Ernten u. ä. Goldrimes-sen billig zu kaufen vermag. So (wie mir auf Grund mündlicher Auskunft versichertwird) z. B. weit überwiegend der Berliner Ausfuhrhandel, der neuerdings starkgewachsen und von Hamburg unabhängig geworden ist. Der altgefestigte Ausfuhr-handel Hamburgs verlangt dagegen im allgemeinen mehr: Er zieht mit Vorliebeauf den Schuldner in Mark oder £ und bindet ihn damit an feste Termine 2 ). Inmanchen Fällen freilich kommt der deutsche Verkäufer dem Schuldner erheblichweiter entgegen: Deutschland lehnt nicht so strikt wie England Ziehungen auf dasAusland in ausländischer Währung ab, z. B. auf Rußland, die Türkei .
b) Rembourskredit, in dem internationalen Zahlungsverkehr schieben sichnun die Banken weithin als Zahlungs- und Kreditvermittlerein. Sie dienen dem internationalen Warenhandel zunächst durch Einkassierung,durch Bevorschussung und Diskontierung von Wechseln. Vor allem aber dienensie zum Akzept. Im internationalen Verkehr sind direkte Ziehungen von Ver-käufer auf Käufer nicht allzu häufig. Trotz der Dokumentierung riskiert der Ver-käufer im Falle der Nichtzahlung des Wechsels Verlust durch Zwangsverkauf derWare s ). Er überträgt daher, wo er kann, das Risiko gegen Provisionszahlung aufeine Bank, welche durch Filialen oder sonstige Geschäftsverbindungen eher in derLage ist, die Gefahren des Auslandes zu kennen und abzuwehren, und die sich durchEinlagerung der Seedokumente sichert. Zudem ist das Akzept der meisten Waren-firmen nicht weltmarktgängig. Nur das Akzept allererster Firmen ist im Auslandediskontierbar; andere Akzepte sind höchstens lombardierbar. Um so mehr sinddie Banken mit ihrem weltbekannten Akzept Vermittlerinnen der internationalenZiehungen: „Rembourskredit". Der Empfänger eines Bankakzepts ver-meidet alle weiteren Kurs- und Zahlungsunsicherheiten.
Beispiel: Der deutsche Getreide-Importeur B gibt seine Bank C dem argen-tinischen Exporteur A als Remboursstelle auf. A zieht auf die Bank und kann diesen
*)G. v. Schulze-Gaevernitz, Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland.Leipzig 1899. S. 499ff.
3 ) Simon, Die Banken und der Hamburger Ueberseehandel. Stuttgart 1909. S. 73.
3 ) Schär-Langenscheidt, Wechselkunde und Wechselrecht. Berlin, Maier-Rothschild 1897. S. 57/58.