Druckschrift 
Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

Großbanken (Lagerscheine und Konossemente inbegriffen) im Durchschnitt desJahres 1911 356,6 Millionen Mk. bei 7493 Millionen Gesamtaktiven angelegt.

C. Verpfändung von Forderungen.

a) Die Verpfändung von Wechseln im inländischen Verkehr ist wenig ent-wickelt, weil man Wechsel grundsätzlich diskontiert, nicht lombardiert. KeineAusnahme von dieser Regel stellt die übliche Uebergabe eines Solawechsels andie Bank durch den buchmäßigen Kreditnehmer dar. Es bedeutet dies nur eine Ver-stärkung der Stellung des Kreditgebers durch die Strenge des Wechselrechts. Rich-tigerweise werden solche Wechsel überhaupt nicht als Lombardanlage gebucht.Unsere Banken nehmen dagegen häufig kurzen Kredit durch echtes Wechsel-Lombard bei vorübergehender Versteifung des Geldmarktes in der Hoffnung aufvorteilhaftere Verwendung desselben Wechsels zu billigem Diskont nach Ent-spannung der Verhältnisse. Ferner: Unsere Großbanken rediskontieren grundsätzlichkeine Wechsel auf offenem Markt mit Rücksicht auf ihrStanding"; sie umgehendiese Uebung durch Wechsel-Lombardierung, z. B. bei der Seehandlung, welchegelegentlich den Reichsbankdiskont im Lombard unterbot x ). Auch die Privat-notenbanken beleihen vielfach Wechsel, statt sie zu diskontieren; sie umgehen damitdas gesetzliche Verbot der Unterbietung des Reichsbankdiskonts 2 ).

b)Pensionsgeschäft". 1. Technik des Geschäfts. Wichtiger ist die Wechsel-verpfändung im internationalen Verkehr. Nicht nur junge Damen, sondern auchWechsel werden vorübergehend inPension" geschickt und zwar in französischesSprachgebiet (Frankreich, Belgien, Schweiz), auch nach England. Pensionen"sind Vorschüsse, welche ausländische Banken zwecks Ausnutzung der internationalenZinsdifferenzen auf Grund von Wechselverpfändung unseren Banken gewähren.Die juristische Form ist die des Kaufs (Diskontierung) und des gleichzeitigenVerkaufs auf Termin (Rediskontierung). Der Kreditgeber heißtPensionsnehmer",der KreditnehmerPensionsgeber". Der Franzose diskontiert Londoner Wechselglatt, dagegen nimmt er deutsche Wechsel vielfach nur in Pension. Die deutscheBank, die auf solchem Wege sich Geld beschafft, verpflichtet sich, die Wechsel,welche die französische Bank unter Abzug des deutschen Diskontsatzes ihr abkauft,nach Ablauf einer bestimmten etwa monatlichen Frist zurückzukaufen. Ent-weder erfolgt der Rückkauf zum Tageskurse; dann entzieht sich der Pensionsnehmernur dem Risiko der Zahlung. Oder es wird ausgemacht, daß zu demselben Kursezurückgekauft werden soll, zu dem gekauft wurde; dann entzieht sich der Franzose alsPensionsnehmer auch den Schwankungen der Wechselkurse. Steht der Londoner Dis-kont dem deutschen gleich, so geben die Franzosen die deutschen Pensionen zurückund kaufen lieber Londoner Wechsel. Ist der deutsche Diskontsatz höher, so liegtdarin für den Franzosen ein Anreiz, Pensionen zu nehmen. Letztere betrugen zeit-weilig bis % Milliarden Franks, haben aber neuerdings, nicht nur aus politischenGründen, sondern auch mit der Verknappung des französischen Geldmarktes, er-heblich abgenommen. Bei Akzepten deutscher Großbanken verzichten die PariserBanken meist auf weitere Sicherheit; bei provinziellen Bankakzepten, die in Deutsch-land noch als erstklassig gelten, verlangt die Pariser Bank außer dem Wechsel nichtselten noch Sicherstellung durch Effekten. Vielfach lagern diePensionen" beideutschen Pfandhaltern.

2. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Pensionsgeschäfts besteht darin,daß ausländisches Geldkapital auf unserem Geldmarkte um Bankakzepte konkurriert,also den Privatdiskontsatz ermäßigt und den Geldmarkt verflüssigt. Die Pensionenbeeinflussen damit auch die Wechselkurse, indem die aus ihnen entspringenden

J j Rieß er, Die deutschen Großbanken. 3. Aufl. Jena 1910. S. 241.

2 ) Ruby, Die badische Bank 18701908. (Volkswirtschaft!. Abh. der bad. Hoch-schulen, XI. Bd. Karlsruhe 1911. 4. Heft. S. 52.)