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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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98
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98 G. v. Schulz e-Gaevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

ersichtlich ist. Zwar tritt der betreffende Vorschuß unter Kreditoren auf, indemdie Verbindlichkeiten der Bank gewachsen sind; aber er ist von der Masse derKreditoren, besten Betriebsmitteln, nicht zu unterscheiden.

In letzter Reihe stellen die Banken durch Effektenlombard der Börse großeSummen kurzfristigen Geldes zurVerfügung. Man unterscheideUltimogelde r",welche von Monat zu Monat, undtägliche Gelder", welche von Tag zuTag in beiden Fällen gegen Effektenlombard ausgeliehen werden. Die ersterenspielen eine größere Rolle als die letzteren. Vielfach sind die Banken nur Durch-gangsstellen dieser Gelder, besonders auch aus dem Auslande. Neuerdings habendie Banken auf Grund des Konditionenkartells verabredet, obige Gelder nicht unterbestimmten Summen (100 000 Mk.) und nicht über bestimmte Zinssätze hinausan sich zu ziehen. Es ist damit einer weitgehenden Konkurrenz die Spitze abgebrochen,welche kurzfristige Verschuldung an das Ausland zu oft hohen Zinssätzen be-deutete 1 ).

d) Die privatwirtschaftliche Bedeutung des Reportgeschäfts

1. für den Börsenspekulanten. Wer auf das Steigen der Kurse Spekuliert hat,kann bei gesunkenen Kursen einen Verlust dadurch vermeiden, daß er das gekaufteEffekt zum nächsten Liquidationstermine zwar verkauft, aber es zum selbenKurse + Zins auf einen Monat später zurückkauft in der Hoffnung, dann beigestiegenem Kurse einen günstigeren Realisationsverkauf vornehmen zu können.Umgekehrt verfährt der Baissespekulant, welcher die in blanco verkauften Papiere,um sie liefern zu können, kauft und sofort wieder auf Termin verkauft, in der Hoff-nung, später bei gesunkenen Kursen die auf Termin verkauften Papiere billiger ein-kaufen zu können. Der Spekulant spannt also bei schlechtem BörsenwetterdenRegenschirm des Kredites" auf. Geldgeber der Haussespekulanten sind zunächstprolongierende Baissiers, welche Stücke benötigen und sie vom Haussier per sofortkaufen, um sie zum nämlichen Kurse auf einen Monat an dieselben zurückzuverkaufen.Aber beide Parteien gleichen sich selten aus; meist ist die Hausseposition in derUeberzahl; Geld wird gesucht, Stücke werden angeboten. Der Report steigt undlockt Geldgeber an, vor allem die Banken.

2. Die privatwirtschaftliche Bedeutung des Reportgeschäfts für die Bankbesteht in kurzfristiger und dabei hochverzinslicher Anlage ihrer Gelder; dieBank dient der Spekulation, ohne selbst zu spekulieren.

Ist, vom privatwirtschaftlichen Standpunkt der Bank betrachtet, Lombard oderReport die bessere, d.h. die sichrere und liquidere Anlage? Diese Frage ist nichtallgemein, sondern nur von Fall zu Fall zu beantworten. Reports umfassen lediglichbörsengängige Terminpapiere, Lombards auch nicht börsengängige, öfters rechtfragwürdige Werte, z. B. Aktien von Tochtergesellschaften. Dagegen ist beiLombard meist Ueberdeckung vorhanden und insofern letzterer besser. Daherhat die scharfe Trennung von Lombard und Report in den Bankbilanzen keinenSinn. Mit Recht wirft das Bilanzschema von 1912Reports und Lombards börsen-gängiger Wertpapiere" zusammen, wogegen Lombards nicht börsengängiger Effektenuntergedeckten Debitoren" zu buchen sind.

Ein weiterer privatwirtschaftlicher Vorteil für die Bank besteht darin: Effekten-beleihung erweitert den Effektenmarkt und fördert damit das Emissionsgeschäftder Banken. Durch Vermittlung der Spekulation fließen die neuemittierten Effektenerst allmählich infeste Hände". Insofern dient das ReportgeschäftdemVerdauungs-prozeß des Kapitalmarktes".

Die Gefahr des Lombard- wie des Reportgeschäfts für die Bank liegtin zweifelhaften Festlegungen, die in kritischen Zeiten, wenn den Spekulanten derAtem ausgeht, überhaupt nicht, oder nur mit Verlusten verwertbar sind. Bedenklich

x ) v. Lumm, zitiert Bankarchiv XII. Jahrg. v. 15. Okt. 1912. S. 21. Vgl. auchdessen ArtikelserieDiskontpolitik". Bankarchiv XI. S. 129 ff.