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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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II

Bankgeschäfte.

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ist vor allem die Beleihung von Aktien eines Instituts, das bei der Bank viel laufendenKredit genießt; schränkt die Bank jene Kredite ein, so entwertet sie ihre Pfänder.

e) Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Effektenlombard und des Report-geschäfts ergibt sich daraus, daß die Bereitstellung von Bankgeldern die Effekten-spekulation überhaupt erst auf breiter Grundlage er-möglicht. Die durch Effektenlombard bewässerteprivate" Spekulationder Außenseiter belebt die berufsmäßige Börsenspekulation; denn allein ohne mit-laufendesPublikum" ist die Börse gemeinhinflau". Das Reportgeschäft dagegenist die Voraussetzung für die börsenmäßige Effektenspekulation in ihrer technischvollendetsten Form, dem Ter mi ngeschäft.

1. Stelgerung der Börsenkurse. Die Bedeutung der Effektenspekulation, vorallem des Termingeschäfts, besteht in der Verbreiterung des Marktesdurch Steigerung der Umsätze. Die jederzeitige Verkäuflichkeit der Terminpapierelockt den seriösen Anleger. Hierauf beruht die kurs steigernde Wir-kung des Termingeschäfts. Hierzu kommt die Milderung derKursschwankungen, welche nicht unbestritten dem Termin-geschäft nachgesagt wird:Leichtes Wellengekräusel an Stelle steiler Preiswogen" 1 ).Zweifellos ist, daß die Geldgeber in kritischen Zeiten lieber Terminpapiere reportieren,als Kassapapiere lombardieren wegen beschränkter Verkäuflichkeit der letzteren.Daher müssen die Kassaspekulanten öfters schon realisieren, wenn die Termin-spekulanten noch durchhalten. Diese Tatsachen locken unter sonst gleichen Um-ständen das Kapital in diejenigen Riesenunternehmungen, deren Werte auf Termingehandelt werden: Großbanken, Großreedereien, Hüttenwerke.

Zu solchen Wirkungen, die dem Wesen des Termingeschäfts entspringen, tretenbewußte Einflüsse der Banken alsHereinnehmer". Die Banken stützen im Re-portgeschäft als Geldgeber die Hausseposition. Das Ausleihen von Stücken trittdagegen zurück, schon aus dem Grunde, weil eine Bank, die regelmäßig Stückeverleiht, den Eindruck erweckt, daß sie eigenen Geldbedarf durch Verpfändungvon Wertpapieren befriedigen muß. Hierzu kommt, daß unsere Kreditbankenüberhaupt keine erheblichen Bestände spekulativer Effekten besitzen, die sie her-leihen könnten. Nur kleinere Bankgeschäfte leihen regelmäßig Stücke ausund dann zumeist Stücke ihrer Kundschaft. In ausnahmsweisen Fällen hin-gegen, wenn der Markt in einem Effektverfixt" ist und die BaissespekulantenGeld gegen Stücke zinsfrei anbieten, ja für die Stücke noch ein Leihgeld (Deport)zahlen, werden auch die Großbanken als Stückeverleiher auftreten und damit un-gesunde Kurssteigerungen dem Markte fern halten. DasEinsperren" bestimmterEffekten wird durch das System unserer Großbanken erschwert. Im allgemeinenüberwiegt jedoch die kurssteigernde Wirkung. Man hat mit Recht gesagt, daß ohnedas Reportgeschäft unserer Banken die Kurse der Terminpapiere in ähnlicher Weisesinken würden, wie bei Einführung einer Verschuldungsgrenze die Bodenpreise.

2. Wirkt aber das Reportgeschäft tatsächlich kurssteigernd, so erleichtert esEmissionen, Gründungen, Geschäftserweiterungen, Fusionen u. ä. Also auf detganzen Linie Förderung des Großbetriebs, Förderung der großkapitalistischenWirtschaftsordnung, die wir, ohne sie zu bewundern und für alle Ewigkeit zu be-jahen, aus nationalpolitischen Gründen heute nicht entbehren können 2 ). Deutschland hat keine Riesenvermögen; Großunternehmungen sind nur auf dem Wege des Ge-sellschaftsunternehmens zusammenzubringen. Ist die Aktiengesellschaft die Waffeder spät Gekommenen, so gilt dies ganz besonders von derjenigen Aktiengesell-schaft, deren Aktien als Terminwerte von den Banken reportiert werden. Hierentstanden Kapitalzusammenballungen, die über englische Maßstäbe hinaus ameri-

') M. Weber, Die Börse. Göttinger Arbeiter-Bibliothek. Bd. I. S. 77. Derselbe,Zeitschrift für Handelsrecht. Bd. 45. S. 56. Prion, Die Preisbildung an der Wertpapier-börse. Leipzig 1910.

2 ) G. v. Siemens, Die nationale Bedeutung der Börse. Nation v. 6. Okt. 1900.

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